Diese 10 aktuellen Romane solltest Du trotz Pandemie nicht verpassen

Kommt es Dir auch so vor, als wären Zeit und Raum in den letzten Monaten verwischt worden? Keine Termine im Kalender. Mein Zimmer ist Schlafraum, Büro, Fitnessstudio und Aufenthaltsraum in einem. Die Nachrichten sind immer noch voll von Corona-News, die ich eigentlich nicht mehr hören will. Großveranstaltungen, wie z.B. die jährlichen Buchmessen in Leipzig und Frankfurt werden schon wieder abgesagt bzw. ins Digitale verlegt. Aber was ist eigentlich auf dem Buchmarkt in den letzten Monaten passiert und über welche Bücher wurde gesprochen? Ich habe 10 Romane ausgewählt, über die viel diskutiert wurde und, die Dich garantiert aus der Lockdown-Starre holen!

Scharf, zynisch und glasklar

Über wildgewordene Hamster: „Hamster im hinteren Stromgebiet“ von Joachim Meyerhoff (Kiepenheuer & Witsch)

Joachim Meyerhoffs Bücher sind extrem gut! Diese Rezension bringt das Besondere an Meyerhoffs Schreibstil auf den Punkt:

„Was mich begeistert, ist seine Fähigkeit, gnadenlos gegen sich selbst zu sein und sich gleichzeitig fürs Leben und dessen Irrsinn kindlich zu begeistern!“ (Julia Möhn, emotion, 7. Oktober 2020).

In seinem aktuellen Buch beschreibt Meyerhoff wie ein Schlaganfall ihn aus dem Leben riss. Der Krankenhausaufenthalt wird zu einer Zeit voller Geschichten und zu einer Zeit mit den Menschen, die dem Erzähler am nächsten stehen.

So offen und ehrlich, zynisch und ironisch, urkomisch und todtraurig beschreiben nur wenige ihr Innerstes! Meine absolute Leseempfehlung!

Über das nicht ganz so wilde Leben der Bildungsbürgertum-Millenials: „Komplett Gänsehaut“ von Sophie Passmann (Kiepenheuer & Witsch)

Nach ihrem vieldiskutierten Bestseller „Alte, weiße Männer“ entlarvt Sophie Passmann in ihrem neuen Werk den unerträglichen Habitus einer Bürgerlichkeit, durch die sie selbst geprägt wurde. Dies ist kein Memoir, kein Roman, keine Biographie, es ist: literarischer Selbsthass.

Ich empfehle hier dringend das Hörbuch, von der Autorin selbst gelesen: Nach den ersten 10 Minuten hatte ich bereits über mich selbst gelacht, gequält gelächelt und mich in Grund und Boden geschämt. Genau so ist dieses Buch: Witz, Qual und Ironie vereinend. Aber das Beste an Sophie Passmann ist: Sie zeigt, dass wir uns selbst nie zu ernst nehmen sollten!

Über die Scham des sozialen Abstiegs: „Der Sandler“ von Markus Ostermair (Osburg Verlag)

In „Der Sandler“ wird eine Geschichte erzählt, die eigentlich gar nicht erzählt werden darf. Denn sie handelt von der Scham des sozialen Abstiegs – und diese Scham macht die Betroffenen schweigen. Der Sandler ist deshalb eine fiktive Geschichte, die Obdachlose ins Zentrum stellt und trotz aller Fiktion ein realistisches und vielschichtiges Bild ihres Alltags auf den Münchner Straßen vermittelt.

Das Buch steht schon länger auf meiner Merkliste und hebt sich von den anderen Titeln ab, da ich selbst in München lebe und ich es bemerkenswert finde, wie Ostermair hier einen wunden Punkt in der Gesellschaft anspricht.

Auf YouTube findest Du übrigens auch einen schönen Mitschnitt einer Live-Lesung von Markus Ostermair in der Monacensia.

Über ein wildes Herz, das nach Natur und Freiheit verlangt: „Die Welt ohne Fenster“ von Barbara Newhall Follett (Diana Verlag)

Dies ist ein besonderes Buch: geschrieben 1926 von einer Zwölfjährigen und sofort zum Bestseller aufgestiegen. Kurz vor Weihnachten 1939 ist die Autorin Barbara Newhall Follet 25 und Berichten zufolge unglücklich in ihrer Ehe. Mit 30 Dollar in der Tasche verlässt sie eines Abends das Haus und wird nie wieder gesehen. Das Geheimnis um ihr Verschwinden ist bis heute nicht gelüftet.

Als die englische Künstlerin und Illustratorin Jackie Morris das Buch wiederentdeckte, hat sie sich augenblicklich in die Geschichte verliebt. Sie regte die Wiederveröffentlichung an und gestaltete die liebevollen Bilder. „Die Welt ohne Fenster“ erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das davon läuft um in der Wildnis zu leben.

Über unsere Neigung, einander misszuverstehen: „Dieses entsetzliche Glück“ von Annette Mingels (Penguin Verlag)

Annette Mingels erzählt mit großer Wärme, heiterer Melancholie und Virtuosität von Menschen, die auf Durchreise in ihrem eigenen Leben sind. Ein Roman über die Unmöglichkeit der Nähe, unsere Sehnsucht danach und den manchmal lebenslangen, verzweifelten Versuch, sie zu erreichen.

Ich glaube, in diesem Buch kann jede:r von uns einen Teil von sich selbst wiederfinden. Ich bin gespannt, mit welcher/m Protagonist:in ich mich am besten werde identifizieren können.

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Reisen in die jüngere Vergangenheit

In Zeiten des Umbruchs: „Fast hell“ von Alexander Osang (Aufbau Audio/Spotting Image)

„Exzellent fängt Osang die Gefühle so vieler Ostdeutscher ein. Das Getriebensein, ohne zu wissen, wohin. Die Suche nach dem Paradies hinter der Mauer. Das Gefühl, etwas nachholen zu müssen. Froh zu sein, etwas hinter sich zu haben, und es gleichzeitig zu vermissen.“ – Lübecker Nachrichten

Alexander Osang arbeitete als Chefreporter der Berliner Zeitung und berichtete als Reporter für den SPIEGEL aus New York und Tel Aviv. Für seine Reportagen wurde er vielfach ausgezeichnet. Gute Voraussetzungen für einen spannend erzählten Roman über die Wendejahre!

Eine Generationen umspannende Geschichte einer Emanzipation von Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht: „Die verschwindende Hälfte“ von Brit Bennett (Argon Verlag GmbH)

Ihr Essay „I don’t know what to do with good white people“ machte Brit Bennett 2014 in den USA bekannt. Mit kaum 26 veröffentlichte sie dann ihren ersten Roman. Seitdem gilt sie als eine der wichtigsten jungen Stimmen der US-Literatur, und auch bei uns wurde sie gefeiert.

In „Die verschwindende Hälfte“ schreibt Bennett über zwei afroamerikanische Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Aber in einem sind sie sich einig: Sie wollen mehr von ihrem Leben, als der kleine Ort in Louisiana, wo sie aufgewachsen sind ihnen bieten könnte. Ihre Wege trennen sich und es müssen Jahrzehnte vergehen, bis zu einem unwahrscheinlichen Wiedersehen.

Ein großer Roman über ein kleines Theater „Herzfaden“ von Thomas Hettche (Kiepenheuer & Witsch)

Wer kennt sie nicht, die Geschichten von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer, Urmel aus dem Eis und dem kleinen König Kalle Wirsch? Generationen von Kindern sind mit den Figuren der Augsburger Puppenkiste aufgewachsen. Aber warst Du schon einmal selbst im Theater in Augsburg? Kennst Du die Geschichte dieses einmaligen Ortes und der Familie, die es gegründet und berühmt gemacht hat?

Nein? Ich auch nicht und deshalb lade ich Dich ein, gemeinsam mit mir in den Roman „Herzfaden“ einzutauchen, in dem uns Thomas Hettche genau diese Geschichte erzählt.

„Ein Roman über die magische Kraft des Erzählens, über die Macht der Poesie.“ – Frank Pommer, Die Rheinpfalz, 10. Oktober 2020

Eine „Gerechte unter den Völkern“: „Annette, ein Heldinnenepos“ von Anne Weber (Matthes & Seitz Berlin Verlag)

Anne Webers Werk „Annette, ein Heldinnenepos“ wurde mit dem Deutschen Buchpreis 2020 ausgezeichnet und ist – neben Meyerhoffs „Hamster im hinteren Stromgebiet“ – einer meiner absoluten Favoriten auf dieser Liste!

Dieses Buch solltest Du unbedingt laut lesen oder als Hörbuch hören (beide Formate findest Du in der Skoobe-Bibliothek!), denn die Geschichte wird im Versmaß eines klassischen Epos erzählt. Versmaß bedeutet hier nicht, dass sich alles reimt, aber die Sprachmelodie ist wunderschön und unterstreicht die Geschichte der Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir, von der dieses Buch erzählt, auf eine starke Art und Weise!

Eine Hymne auf die Freuden des Lebens: „City of Girls“ von Elizabeth Gilbert (Fischer E-Books)

Der Roman von Elizabeth Gilbert wurde von den Medien als betörender Mix aus Charme und Witz gefeiert und stand nach Erscheinen monatelang auf der »New York Times«-Bestsellerliste. Die Inhaltsbeschreibung macht Lust darauf, sich sofort ins New York der Vierziger Jahre zu stürzen! Bist Du dabei?

Das Leben ist wild und gefährlich. Wer sich ihm kopfüber anvertraut, gerät in einen Wirbel von Leidenschaft und Liebe. So geschieht es Vivian, die aus der Provinz in die große Stadt geschickt wird. Über Nacht findet sie sich im Glamour New Yorks wieder – in den turbulenten Vierzigern mit Musicals, Bars, Jazz und Gangstern. Als ihr im Privaten ein Fehler unterläuft, kommt es zu einem öffentlichen Skandal, der ihre Welt auf den Kopf stellt. Sie wird Jahre brauchen, um ihn zu verstehen.

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