Berlin, 1911: Herr Welsch hat genug von Tanzlokalen, Kaffeehäusern und unruhigen Nächten. Als neuer Besitzer eines Mietshauses will er endlich solide werden und ein geordnetes Leben führen. Doch kaum
Berlin, 1911: Herr Welsch hat genug von Tanzlokalen, Kaffeehäusern und unruhigen Nächten. Als neuer Besitzer eines Mietshauses will er endlich solide werden und ein geordnetes Leben führen. Doch kaum ist er eingezogen, geraten seine guten Vorsätze ins Wanken. Da ist Ottilie, seine frühere Geliebte, die ihn nicht so leicht loslässt. Da ist die reizvolle Professorstochter aus der Nachbarwohnung. Und auch die übrigen Bewohnerinnen seines Hauses bringen den frischgebackenen Hauswirt in Verlegenheit. Herr Welsch möchte Ansehen gewinnen – und stolpert dabei immer wieder über seine Eitelkeit, seine Neugier und seine eigenen Wünsche. Hans Ostwald macht aus diesem Vorsatz eine ebenso komische wie genaue Schilderung des Berliner Alltags. Das Mietshaus wird zur kleinen Welt für sich: Professoren und Kaufleute, Arbeiter und Dienstmädchen, Familien und Lebenskünstler begegnen sich auf Treppen, Balkonen und Hinterhöfen. Zwischen Vorderhaus und Hinterhaus liegen oft mehr als nur ein paar Schritte. Mit Berliner Witz und einem scharfen Blick für menschliche Schwächen erzählt Ostwald von Liebe, Standesdünkel, Einsamkeit und dem Wunsch, vor anderen besser dazustehen, als man ist. Diese erweiterte Neuausgabe bietet mehr als den neu gesetzten Romantext von 1911: Mariana von Strom hat dafür ein ausführliches historisches Vorwort und ein eigenständiges Nachwort verfasst. Das Vorwort zeichnet Ostwalds Weg vom Goldschmied zum Schriftsteller nach, beleuchtet seine Arbeit an den „Großstadt-Dokumenten“ und beschreibt das Berlin, in dem der Roman entstand. Es stützt sich unter anderem auf historische Zeitungsberichte und zeitgenössische Veröffentlichungen. Das Nachwort betrachtet die Figuren und ihre Beziehungen, die Unterschiede zwischen Vorder- und Hinterhaus sowie Ostwalds Humor und die gesellschaftlichen Vorstellungen seiner Zeit. Auch die damalige Aufnahme des Romans wird anhand einer Rezension von 1911 aufgegriffen. Ein ebenso heiterer wie aufschlussreicher Blick in das Berlin der Kaiserzeit – ergänzt um zwei eigens für diese Ausgabe erarbeitete Beiträge mit Quellenangaben.