Das Personal der Populärkultur – humorvoll erklärt
Stock characters aus Film, Literatur und Fernsehen – Band 1
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Beschreibung zu „Das Personal der Populärkultur – humorvoll erklärt“
Wer Geschichten erzählt, braucht Personal. Wer viele Geschichten erzählt, stellt irgendwann fest, dass ein Teil dieses Personals erstaunlich zuverlässig wiederkommt.Da ist der zerstreute
Wer Geschichten erzählt, braucht Personal. Wer viele Geschichten erzählt, stellt irgendwann fest, dass ein Teil dieses Personals erstaunlich zuverlässig wiederkommt.Da ist der zerstreute Professor, der den Schlüssel sucht, während er ihn in der Hand hält. Der Actionheld, der Explosionen grundsätzlich mit dem Rücken betrachtet. Der Butler, der mehr weiß als die Familie, aber aus Gründen der Berufsehre nur die Augenbraue hebt. Der korrupte Polizist, der freundliche Riese, die Femme fatale, der alte Kampfkunstmeister, der verrückte Wissenschaftler, der Scharfschütze, der Auserwählte, die Zicke, das Final Girl und der maskierte Schurke. Wer lange genug Filme schaut, Romane liest oder Serien verfolgt, beginnt sie wiederzuerkennen. Manchmal genügt ein Mantel, ein Beruf, eine Frisur oder ein besonders bedeutungsvoller Blick, und man weiß bereits ungefähr, wer da gerade die Bühne betreten hat.Dieses Buch beschäftigt sich mit solchen wiederkehrenden Figuren: den stock characters, den Rollenfächern der Erzählkunst.Der Ausdruck klingt zunächst nach Lagerhaltung, und ganz falsch ist das nicht. Im großen Warenhaus der Geschichten stehen bestimmte Figuren offenbar griffbereit im Regal. Bei Bedarf nimmt man einen weisen alten Mann, einen unfähigen Offizier, eine strenge Mutter oder einen charmanten Gauner heraus, passt die Konfektionsgröße an und schickt ihn in die Handlung. Manche Modelle sind seit zweitausend Jahren lieferbar. Andere kamen erst mit Eisenbahn, Kino, Fernsehen oder Internet auf den Markt. Wieder andere wurden inzwischen zurückgerufen, weil man festgestellt hat, dass ihre Konstruktion erhebliche Mängel aufweist.Nicht jedes Rollenfach ist dabei ein Archetyp. Der Archetyp ist gröber und älter: Held, Narr, Weiser, Liebender, Herrscher, Kind, Rebell. Das Rollenfach zieht ihm Kostüm und Berufskleidung an. Aus dem Weisen wird der Zauberer, der Kung-Fu-Meister oder der indigene Ratgeber; aus dem Herrscher der gute König, der Sultan oder der Konzernchef; aus dem Schatten der Dark Lord, der Machiavellist oder der korrupte Polizeichef.Archetypen liefern das Skelett. Stock Characters kümmern sich um die Garderobe. Und gelegentlich auch um den Akzent. Das macht die Sache kompliziert.Für Schreibende kommt noch etwas hinzu. Wer die Rollenfächer kennt, kann bewusster auswählen. Man greift nicht automatisch zum grimmigen Polizeichef, zur geheimnisvollen Schönheit oder zum weisen alten Mentor, nur weil diese Figuren seit Jahrzehnten griffbereit neben der Handlung stehen. Man schaut zweimal hin: Brauche ich wirklich diesen Typ? Welche andere Figur könnte dieselbe Aufgabe übernehmen? Was geschieht, wenn ich zwei Rollenfächer miteinander kombiniere, eines gegen den Strich besetze oder eine Eigenschaft dort unterbringe, wo man sie gerade nicht erwartet?Eine Übersicht über Hunderte solcher Figuren verengt die Möglichkeiten deshalb nicht – sie erweitert sie. Plötzlich sieht man, wie groß das Personalreservoir der Erzählkunst tatsächlich ist. Neben dem Helden stehen Antiheld, falscher Held, gefallener Held, Auserwählter und liebenswerter Verlierer; neben dem Schurken warten Antischurke, kultivierter Schurke, Dunkler Lord, maskierter Gegner und freundlicher Verräter auf ihren Einsatz. Schon die Auswahl verändert eine Geschichte.Wer nach 293 Kapiteln noch immer glaubt, es gebe nur den Helden, den Bösewicht und den besten Freund, hat zumindest eines gelernt: Das ist ein weites Feld.
Verlag:
BookRix
Veröffentlicht:
2026
Druckseiten:
ca. 508
Sprache:
Deutsch
Medientyp:
eBook
Barrierefreiheitsinformationen
alle Texte können angepasst werden
nicht oder eingeschränkt barrierefrei
Barrierefreiheit
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