In "Vom Krieg zur Revolution" deutet Dmitri S. Mereschkowski den Ersten Weltkrieg als geistige und geschichtliche Krisenerfahrung, aus der die russische Revolution hervorgeht. Das Werk verbi
In "Vom Krieg zur Revolution" deutet Dmitri S. Mereschkowski den Ersten Weltkrieg als geistige und geschichtliche Krisenerfahrung, aus der die russische Revolution hervorgeht. Das Werk verbindet politische Betrachtung, religiös-philosophische Reflexion und prophetische Kulturkritik: Nicht militärische Ereignisse allein, sondern der Zerfall überlieferter Werte, die Entfremdung des Menschen und die verdrängte Sehnsucht nach Erneuerung stehen im Mittelpunkt. In der essayistischen, bildkräftigen Sprache des russischen Symbolismus verschränkt Mereschkowski historische Analyse mit moralischer Diagnose. Dadurch steht das Buch zugleich in der Tradition der religiösen Philosophie des späten Zarenreichs und an der Schwelle zur modernen Literatur des politischen Exils. Mereschkowski, 1865 in St. Petersburg geboren, gehörte zu den maßgeblichen Vertretern des russischen Symbolismus und entwickelte gemeinsam mit Sinaida Hippius eine religiös-intellektuelle Erneuerungsbewegung. Seine Beschäftigung mit Dostojewski, Tolstoi, der europäischen Kulturgeschichte und der Idee eines "Dritten Reiches" Christi prägte sein Denken. Die Erfahrung von Krieg, Revolution und Bürgerkrieg sowie seine entschiedene Gegnerschaft zum Bolschewismus verliehen seinen Schriften eine besondere Dringlichkeit. "Vom Krieg zur Revolution" ist daher auch das Dokument eines Schriftstellers, der Geschichte als geistige Entscheidung verstand. Empfohlen sei das Buch allen, die die russische Revolution nicht nur als politisches Ereignis, sondern als umfassende religiöse und kulturelle Erschütterung begreifen möchten. Es eröffnet einen eindringlichen Zugang zu Mereschkowskis Denken und macht verständlich, weshalb Literatur, Glaube und Geschichtsdeutung in der russischen Moderne so eng miteinander verbunden waren.