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Beschreibung zu „Endlich Ben“

Verlag:

Eden Books - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe

Veröffentlicht:

2020

Druckseiten:

ca. 140

Sprache:

Deutsch

Medientyp:

eBook

Barrierefreiheitsinformationen

nicht oder eingeschrÀnkt barrierefrei

2 Kommentare zu „Endlich Ben“

Christine – 11.10.2021
Dieses Buch ist der perfekte Beweis dafĂŒr, dass man auch als trans Mensch transfeindlich sein kann. So sehr es mich auch freut, dass in letzter Zeit immer mehr BĂŒcher zu diesem wichtigen Thema erscheinen - ich habe mich auch freut, dass immer mehr BĂŒcher zu diesem Thema erscheinen - ich habe mich so unwohl gefĂŒhlt beim Lesen von „Endlich Ben“. Das Buch ist voller verletzender Aussagen und Klischees, und manchmal hatte ich das GefĂŒhl, dass es nur geschrieben wurde, um cis Menschen zu gefallen. Hier ein paar Beispiele: ‱ Der Autor verwendet die Wörter trans und transgender ausschließlich als Substantive (obwohl sie Adjektive sind), und bezeichnet trans Menschen stĂ€ndig als „die Transgender“, „einige Transgender“, „alle Transgender“ etc. – mein „Highlight“ dabei: „Hast du Tipps, wie man als Trans Frauen kennenlernen kann?“ Das klingt extrem abwertend und erweckt den Eindruck, als gĂ€be es drei Kategorien: „die MĂ€nner“, „die Frauen“ und „die Transgender“. Warum das falsch ist, muss ich ja wohl hoffentlich nicht erklĂ€ren. ‱ In den Zitaten seiner Mitmenschen wird der Autor stĂ€ndig misgendert und bei seinem Deadname genannt. Außerdem misgendert er sich auch sehr oft selbst. ‱ Der Autor bezeichnet Binder und Packer als mehrmals dĂ€mlich und peinlich. Ist ja schön, dass er selbst diese Hilfsmittel nicht brauchte, aber fĂŒr viele trans Menschen sind sie sehr wichtig, um die eigene Dysphorie zu lindern und sich mit sich selbst wohlzufĂŒhlen. ‱ Das Buch ist sehr binĂ€r und biologistisch geschrieben. StĂ€ndig geht es um das „biologische Geschlecht“ und darum „ein richtiger“ Mann zu sein. ‱ Der Autor misgendert und deadnamed nicht nur sich selbst, sondern auch andere trans Menschen. ‱ Ein Zitat ĂŒber das Outing bei einem Freund der Familie: „Erstaunlicherweise traf mich seine [negative] Antwort kaum, vielleicht, weil ich den Mann nie sonderlich sympathisch gefunden hatte. Vielleicht auch, weil er tĂŒrkischer Herkunft und Moslem war und ich seine Reaktion daher einordnen konnte. Das machte es mir leichter, mich abzugrenzen.“ FĂŒr mich klingt das ziemlich rassistisch. ‱ Mit am schlimmsten fand ich das Kapitel ĂŒber seine Therapeut*innen-Suche. Hier ein paar Zitate: „Kaum hatte ich geklingelt, öffnete mir ein Mann in Frauenkleidern.“, „Meine ‚Therapeutin‘ erklĂ€rte mir einleitend, sie selbst sei Hermaphrodit, also ein Mensch, der mit mĂ€nnlichen und weiblichen Geschlechtsorganen auf die Welt gekommen ist.", „Aber wĂŒrde dieser fette Kerl in Frauenklamotten mir helfen, meinen Weg zu finden?“ Mit diesem Textabschnitt ist so viel falsch, dass mir echt die Worte fehlen
 Transfeindlichkeit, Interfeindlichkeit, Fettfeindlichkeit – das volle Programm. ‱ Der Autor stellt seinen Weg immer wieder als den einzig richtigen und vernĂŒnftigen Weg dar und beleidigt dabei (direkt und indirekt) trans Menschen, deren Transition anders aussieht. Beispiele: „Das macht erstaunlicherweise nicht jeder Transgender so. Warum die zahlreichen OPs einzeln beantragen, wenn das Ganze dann umso lĂ€nger dauert?“, "Wir Transgender verlieren diese FĂ€higkeit [zum Kinder Zeugen] im Zuge der kompletten Transformation. Das ist schon bitter, aber es fĂŒhrt kein Weg dran vorbei." Nicht alle trans Menschen wollen eine „komplette“ Transition machen. Manchen Menschen reichen Hormone, andere wiederum wollen bestimmte OPs und keine Hormone, es gibt auch trans Menschen, die ĂŒberhaupt keine medizinischen Prozeduren machen wollen – das macht sie aber nicht weniger trans. ‱ Es wird stĂ€ndig von trans MĂ€nnern (bzw. von „Transgendern“) und „normalen MĂ€nnern“ gesprochen: „[
] selbst bei den meisten normalen MĂ€nnern [
]“, „Aber welcher normale Mann hat schon riesige Narben an den BrĂŒsten?“ Trans MĂ€nner sind nicht weniger normal als cis MĂ€nner. ‱ „Dass ich hier all diese Details meiner Geschlechtsanpassung preisgebe, ist ĂŒbrigens ungewöhnlich in der Transcommunity. Aber ich kann mit deren Regeln wenig anfangen –und ich will mich nicht verstecken.“ Ah ja, die berĂŒhmte Transcommunity, die sich regelmĂ€ĂŸig trifft und festlegt, was man als trans Mensch darf und was nicht
 So einen Unsinn habe ich echt noch nie gehört. NatĂŒrlich hat jeder trans Mensch dazu eine andere Meinung - manche möchten ĂŒber ihre eigene Transition reden und andere eben nicht. Beides ist völlig legitim, und niemandem wird dabei irgendwas verboten. ‱ Der Autor beleidigt andere trans Menschen wegen ihres Aussehens: „Und einen zwei Meter großen Uwe mit SchuhgrĂ¶ĂŸe 45 können kein noch so patenter Chirurg und versierter Endokrinologe in eine Elfe verwandeln. Der ausgeprĂ€gte Kehlkopf, die tiefe Stimme –all das lĂ€sst sich auch als Ulrike nicht wieder zurĂŒckbilden. Ein gutes Beispiel ist die bekannte Transfrau Caitlyn Jenner. Trotz der Schönheits-OPs ist unter den langen Haaren noch immer der ehemalige ZehnkĂ€mpfer Bruce zu erkennen.", „Ich erkenne es sofort, wenn jemand spĂ€t operiert wurde.“ ‱ Noch mehr Fettfeindlichkeit: „Wenn du einen schönen Körper haben willst, musst du richtig dafĂŒr rackern.“ ‱ Und hier noch ein paar Zitate, die nicht in die oberen Kategorien passen und einfach nur transfeindlich sind: „Was muss das fĂŒr ein Schock fĂŒr alle Beteiligten sein, wenn zum Beispiel der Vater plötzlich eine Mutter sein will.“, „Es gibt ein paar Beispiele von schwangeren VĂ€tern. Das sind dann Betroffene, die zwar wie MĂ€nner aussehen, aber noch Eierstöcke und GebĂ€rmutter haben.“, „Wir ehemaligen Frauen haben da nur weniger Material zum Verarbeiten.“ Trans Frauen wollen keine Frauen sein – sie sind Frauen. Und trans MĂ€nner sind keine Frauen, die aussehen wie MĂ€nner, oder „ehemalige Frauen“ – sie sind MĂ€nner. Alles in allem: keine Empfehlung! Da gibt es bessere BĂŒcher!

Sehr ehrliche, autobiografische Geschichte eines Transmannes. Gerade die Passagen zu den OPs und zu den medizinischen Einzelheiten helfen sicherlich auch anderen Menschen, die einen Ă€hnlichen Weg gehen. Formal gesehen ist es jetzt kein literarisches Meisterwerk, sehr locker geschrieben, eher, als wĂŒrde er mit einem schnacken, statt ein Buch zu schreiben.

Lesen. Hören. BĂŒcher erleben.

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