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Beschreibung zu „Hinaus in den Wind“

Über Trude Teige

Trude Teige ist eine der bekanntesten Autorinnen, TV-Moderatorinnen und Journalistinnen Norwegens. In ihren Romanen bietet sie einen bewegenden Einblick in unbekannte Stücke unserer Geschichte und zeigt, wie das Schicksal auch die folgenden Generationen prägt. Ihre Werke stehen monatelang auf den SPIEGEL-Bestsellerlisten und werden in viele Sprachen übersetzt. Trude Teige hat drei erwachsene Kinder und lebt mit ihrer Familie am Oslofjord und in Grimstad in Südnorwegen.

Gelesen von

Yara Blümel

Verlag:

argon

Veröffentlicht:

2026

Länge:

12 Std. 36 Min.

Sprache:

Deutsch

Medientyp:

Audiobook

Barrierefreiheitsinformationen

Keine Information zur Barrierefreiheit bekannt

3 Kommentare zu „Hinaus in den Wind“

Meinung zu "Hinaus in den Wind" Autorin: Trude Teige Genre: Historischer Roman / Familiensaga Trude Teige bleibt auch hier an der rauen norwegischen Küste und erzählt wieder von Menschen, die zwischen Familientradition, gesellschaftlichen Erwartungen und eigenen Lebenswünschen feststecken. Inhalt Kristiane hat sich an der norwegischen Westküste inzwischen ein vergleichsweise stabiles Leben aufgebaut. Ihr großer Wunsch ist, dass ihr Sohn Anders die Familientradition fortführt und später Schiffslotse wird. Doch Anders liebt vor allem die Musik und will seinen eigenen Weg gehen. Ausgerechnet seine Schwester Konstanze fühlt sich dagegen dem Meer und der Seefahrt sehr verbunden, obwohl Frauen dieser Beruf damals verwehrt ist. Zu diesem familiären Konflikt kommt ein wesentlich dramatischerer: Kristiane findet am Strand ein totes Baby. Die Suche nach der Mutter bringt die gesamte Gemeinschaft in Unruhe und führt zu der Frage, wie schnell Frauen von einer engen, patriarchal geprägten Gesellschaft verurteilt werden. Gleichzeitig gerät auch Kristianes Ehe mit Lars erneut unter Druck. Der Roman setzt also direkt dort an, wo Der Gesang der See aufgehört hat. Dort musste Kristiane bereits darum kämpfen, den Lotsenposten der Familie zu erhalten, obwohl sie ihn als Frau selbst nicht ausüben durfte. Jetzt dreht sich derselbe Grundkonflikt eine Generation weiter: Wer entscheidet eigentlich, welches Leben ein Kind führen soll, die Familie, die Tradition oder das Kind selbst? Meine Meinung Mir hat auch Hinaus in den Wind gut gefallen. Trude Teige kann diese kleinen, abgeschlossenen Küstengemeinschaften sehr überzeugend erzählen. Man spürt das Meer, die Abhängigkeit von Wind und Wetter und vor allem die Macht von Traditionen, die nicht einfach romantisches Brauchtum sind, sondern Menschen ganz konkret begrenzen. Besonders gelungen finde ich diesmal den Konflikt um Anders und Konstanze. Kristiane selbst hat darunter gelitten, dass sie als Frau bestimmte Dinge nicht durfte, und trotzdem hält sie bei ihren Kindern an traditionellen Vorstellungen fest. Das macht sie interessanter, weil sie eben nicht einfach die moderne Heldin im historischen Kostüm ist. Auch der Handlungsstrang um das tote Kind ist stark, weil er sehr deutlich zeigt, wie unterschiedlich moralische Maßstäbe auf Männer und Frauen angewendet wurden. Das ist für mich der ernstere und interessantere Teil des Romans. Trotzdem merke ich bei Trude Teige inzwischen auch eine gewisse Norwegen-Müdigkeit. Sie kehrt sehr häufig zu ähnlichen Zutaten zurück: abgelegene norwegische Gemeinschaften, starke Frauen, gesellschaftliche Enge, familiäre Geheimnisse, historische Ungerechtigkeit und eine Landschaft, die fast selbst zur Figur wird. Das hat einen nachvollziehbaren Grund. Teige ist Norwegerin, war viele Jahre Journalistin und greift in ihren Büchern immer wieder reale norwegische Geschichten, gesellschaftliche Missstände und historische Erfahrungen auf. Auch Hinaus in den Wind ist von ihrer eigenen Familiengeschichte inspiriert. In Interviews sagt sie selbst, dass sie sich besonders dafür interessiert, was in Gesellschaft, Familie oder Gemeinschaft schiefgelaufen ist. Ich verstehe also völlig, warum Norwegen bei ihr so präsent ist. Aber für mich persönlich ist es jetzt auch langsam gut mit Fjorden, Küstenorten und denselben gesellschaftlichen Grundmustern. Nicht weil dieses Buch schlecht wäre, sondern weil sich die erzählerische Grundform inzwischen sehr vertraut anfühlt. Zusammenhang mit ihren anderen Büchern Hinaus in den Wind gehört nicht zu der Familiengeschichte um Als Großmutter im Regen tanzte, Und Großvater atmete mit den Wellen und Wir sehen uns wieder am Meer. Diese Bücher bilden einen anderen erzählerischen Zusammenhang. Hier geht es ausschließlich um Kristiane und ihre Familie. Der Gesang der See ist der erste Roman, Hinaus in den Wind der zweite. Beide entstanden ursprünglich bereits früh in Teiges Karriere und machten sie in Norwegen als Autorin bekannt. Gerade deshalb würde ich trotz der offiziellen Standalone-Angabe klar empfehlen, zuerst Der Gesang der See zu lesen. Die Figuren, Kristianes Entwicklung und der familiäre Konflikt gewinnen deutlich mehr Gewicht, wenn man ihre Vorgeschichte kennt. Diese Einschätzung teilen auch aktuelle Rezensionen. Fazit Ein wieder sehr atmosphärischer und gut lesbarer historischer Roman über Familie, Tradition und die Frage, wem das eigene Leben eigentlich gehört. Kristiane bleibt eine interessante, widersprüchliche Figur, und besonders der Konflikt um ihre Kinder funktioniert für mich sehr gut. Aber nach mehreren Trude-Teige-Romanen merke ich auch: Norwegen darf für mich jetzt gern einmal Pause machen. Nicht weil es hier nicht funktioniert, sondern weil mir Landschaft, historische Unterdrückung und starke Frau gegen enge Gesellschaft inzwischen ein bisschen zu oft in derselben Kombination begegnen. Bewertung ⭐⭐⭐⭐½ 4,5 von 5 Sternen | Note B+

Wunderschön

Hat mir gut gefallen.

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