Hausteins Marja

Erzählung, frei nach Gerichtsakten von 1799

Elke Nagel

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Beschreibung zu „Hausteins Marja“

Hausteins Marja wird beschuldigt, ihr neu geborenes Kind getötet zu haben.
Marja ist eine Leibeigene; sie ist eine Sorbin in einem sorbischen Dorf, dessen Herrschaft, Amtsgewalt und Regierung deutsch sind; sie ist zu naiver, mit Aberglauben verwobener Frömmigkeit erzogen – und sie ist eine Frau in einer von Männern beherrschten Welt. So trägt sie vierfache Fesseln.
Die Autorin nimmt uns mit auf Spurensuche: Was steht in den Akten, den Kirchenbüchern, den Zeitdokumenten? War diese Frau eine Mörderin? Wie ist es gewesen – wie könnte es gewesen sein?
Und wenn auch die Spuren wie Irrlichter sind, unstet und widersprüchlich, wenn sich auch Marjas Spur schließlich am Horizont verliert: Es bleibt das Bild einer starken, tapferen Frau, die versucht hat, ihre Fesseln zu lösen.

LESEPROBE:
Er starrte ebenso erstaunt wie erschrocken auf dieses Mädchen, das noch vor vier Jahren vor ihm auf der Schulbank gesessen hatte, ein schüchternes, sehr mageres, hellblondes Kind, das in den sieben Jahren Schulzeit kaum ein Wort deutsch gelernt hatte, aber da war sie keine Ausnahme, und plötzlich bemerkte er ihren Bauch.
Du bist, du bist, stotterte er, sie lachte auf, schwanger sei sie, freilich, das bestreite sie nicht, er könne es ruhig der Herrschaft anzeigen, dann erspare er ihr einen Weg.
Aber die Peitsche nicht, rief er, die kann dir niemand ersparen.
Sie veränderte weder ihre Haltung noch ihre Stimme, leise, wie gelangweilt, sagte sie: Ich werd’s überleben.
Du weißt nicht, was du redest, rief er kopfschüttelnd. Aber es gebe doch einen Ausweg, fügte er nachdenklich hinzu. Der Vater dieses Kindes, zweifellos gebe es doch einen Vater, wenn er sich zu seiner Vaterschaft bekenne, müsse er sie heiraten. Er, Michael Richter, werde sich bei der Herrschaft dafür einsetzen, und wenn der Herr von Muschwitz…
Wenn, wenn, unterbrach sie ihn, hoch aufgerichtet jetzt und mit offenen Augen und überhaupt nicht sanft und schüchtern, wie er sie als Schülerin in Erinnerung hatte. Er bekennt sich nicht, sagte sie. Er will nicht heiraten.
Das wollen wir doch mal sehen, sagte Richter. Wer ist es?
Der Kubitz Jan.
Der aus Ratzen?
Genau der. Aber er streitet es sowieso ab, ich sag’s Ihnen gleich, Herr Lehrer. Und ich will ja auch gar nicht heiraten, und den Kubitz Jan schon gar nicht. Das wird auch so einer sein, der seine Frau und seine Kinder prügelt, einer wie mein Vater und wie noch so mancher in Lohsa und Mortka, wissen Sie das gar nicht, Herr Lehrer?

Über Elke Nagel

Elke Nagel, geborene Ballmann;
geboren 21.07.1938 in Rerik (Mecklenburg);
Studium der Germanistik und Geschichte 1957 – 1962 (Pädagogische Hochschule Potsdam);
Tätigkeit (mit Unterbrechungen) als Lehrerin 1962 – 1975 in Schönberg (Mecklenburg) und Forst (Lausitz);
freischaffend ab 1975;
zwei Kinder (1966, 1967), zwei Enkel (1985, 1987).
Veröffentlichungen unter dem damaligen Namen Elke Willkomm:
Mit Feuer und Schwert (historische Erzählung für Kinder und Jugendliche, Verlag Neues Leben Berlin 1973)
Das Mirakel von Bernsdorf (historischer Roman, Verlag Neues Leben Berlin 1977, neu aufgelegt im BS-Verlag Rostock 2001)
Der fingerkleine Kobold (Kinderbuch, Der Kinderbuchverlag Berlin 1978)
Hexensommer (Roman, Buchverlag Der Morgen Berlin 1984)

Seit 1982 verheiratet mit dem sorbischen Komponisten Jan Paul Nagel (1934 bis 1997)
1991 mit ihm zusammen den ENA-Musikverlag gegründet, Leitung des Verlages von 1991 bis 2005
Seit ca. 1984 Nachdichtungen aus dem Sorbischen, u. a. die sorbischen Texte der Lieder Jan Paul Nagels (veröffentlicht im ENA-Musikverlag) und sorbische Volkslieder
sowie Gedichte der niedersorbischen Lyrikerin Mina Witkojc, veröffentlicht 2001 in der Reihe „Die sorbische Bibliothek“ des Domowina-Verlags Bautzen (Titel: Echo aus dem Spreewald)
Kreuz am Waldrand, Novelle (Lusatia Verlag Bautzen 2007); E-Book bei EDITION digital 2013
Hausteins Marja, Erzählung (BS-Verlag-Rostock 2009), erschienen in sorbischer Sprache, übersetzt von Peter Thiemann, im Domowina-Verlag Bautzen 2010, E-Book bei EDITION digital 2011
Der Froschkönig, Liedtexte zum musikalischen Märchen für Chor, Klavier und Sprecher von Jens-Uwe Günther, UA am 14. April 2011 in Ilmenau (Thür.)
Altweibersommer. Legenden aus dem wilden Osten.“ Roman. 2012 (Noch nicht veröffentlicht.)


Verlag:

EDITION digital

Veröffentlicht:

2012

Druckseiten:

ca. 102

Sprache:

Deutsch

Medientyp:

eBook


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