Beschreibung zu „Geld spielt keine Rolle (Ungekürzt)“

Gelesen von

Anna Mayr

Verlag:

Tacheles!

Veröffentlicht:

2023

Länge:

4 Std. 37 Min.

Sprache:

Deutsch

Medientyp:

Audiobook

Barrierefreiheitsinformationen

Keine Information zur Barrierefreiheit bekannt

1 Kommentar zu „Geld spielt keine Rolle (Ungekürzt)“

Das Buch scheint mir ein Bekenntnis einer Mittelschichtlerin zu sein, die ihr 'Privilegien' reflektiert, wo es unnötig ist und zeitgleich soziologische Zugehörigkeit außer Acht lässt. Das Buch leistet einerseits wichtige Arbeit, indem es Armut anschaulich beschreibt und strukturelle Härten sichtbar macht, jedoch problematisch wird es dort, wo Analyse in Moralisierung kippt. Mayr problematisiert wiederholt alltägliche Konsumentscheidungen (z. B. 15-€-Wein, kleine Feiern, Hotelaufenthalte), die objektiv einem normalen westlichen Lebensstandard entsprechen. Dadurch wird Normalität moralisch aufgeladen, ohne klar zwischen Existenzsicherung, Komfort und Luxus zu unterscheiden. Man bekommt eher das Gefühl, dass ihre performativen Schuldgefühle selbst ein Statusmarker werden. Zudem reduziert das Buch Wohlstand häufig auf Statussymbolik und negiert reale Qualitäts-, Komfort- und Funktionsunterschiede, sodass Konsum primär als Zeichen moralischer Fragwürdigkeit erscheint, nicht als legitime Nutzung vorhandener Ressourcen. Besonders verkürzt ist die Vorstellung, Wohlstand lasse sich durch individuellen Verzicht oder „Geld weggeben“ auflösen (Man könne ja spenden und selber auf Komfort verzichten). Die Sozialisation, Milieuzugehörigkeit und die strukturelle Bedeutung finanzieller Sicherheit im Kapitalismus bleiben dabei unterbelichtet. So scheint der Autorin ein Aufenthalt im Adlon lediglich Protz zu sein, weniger Historie, Service oder Genuss architektonischer Kunst. Mir hat in dem Buch die analytische Schärfe und Einordnung gefehlt, die ihre Polemit und anekdotische Evidenz bezüglich Problematisierung normaler Lebensführung übersteigt.

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