Wann tritt ein totalitĂ€res System in Erscheinung?Ich habe erlebt, wie Vorstellungen von Gleichheit, Rechten und Schutz allmĂ€hlich in eine einzige Richtung glitten, die den Raum fĂŒr Rede und Ge
Wann tritt ein totalitĂ€res System in Erscheinung?Ich habe erlebt, wie Vorstellungen von Gleichheit, Rechten und Schutz allmĂ€hlich in eine einzige Richtung glitten, die den Raum fĂŒr Rede und Gedanken verengte. WĂ€hrend viele ruhten, wich die Freiheit Schritt fĂŒr Schritt zurĂŒck. Versprechen, die im Namen von Sicherheit und Fairness gegeben wurden, verfestigten sich zu Vorgaben, die Zweifel minderten und offene Rede einschrĂ€nkten.Der Verlust von Freiheit folgt in jeder Gesellschaft einem vertrauten Muster. Im ersten Licht des Tages zeigen sich kleine BrĂŒche im rechtlichen GefĂŒge. Verantwortung wird verlagert. EntscheidungstrĂ€ger zeigen nach innen Strenge und nach auĂen Nachsicht. Menschen werden zu Kategorien, die verwaltet werden sollen. Ihr eigenes Gewicht verliert an Bedeutung.Ich wurde in diese Position gedrĂ€ngt, weil ich meine Freiheit verteidigte. Die entscheidende Trennlinie verlĂ€uft heute nicht mehr zwischen links und rechts, sondern zwischen dem Einzelnen und der Macht des Kollektivs oder des Staates. Ich habe gesehen, wie moralische Sprache zu einem Instrument politischer Durchsetzung wurde. Gruppen machten erklĂ€rte FĂŒrsorge zu einem Mittel eigener Interessen und erschöpften damit das MitgefĂŒhl ihres Umfelds. Meine eigene Empörung musste ich prĂŒfen, um den Rest meines Urteilsvermögens zu bewahren. Andere LĂ€nder hatten lĂ€ngst gezeigt, wie Regelwerke, die im Namen von Fairness entstehen, zu starren Doktrinen werden und das Prinzip der wechselseitigen ZurĂŒckhaltung auflösen.Ich wollte nie in das Leben anderer eingreifen. Doch man trat in meinen eigenen Raum ein. Die Anerkennung der Existenz eines Anderen ist etwas völlig anderes als die Erzwingung einer Ăberzeugung. Wenn jemand frei ist, an Gleichheit zu glauben, muss ein anderer ebenso frei sein, sie infrage zu stellen. Ich erhebe keinen Anspruch auf Tugend. An manchen Tagen legte ich das Schreiben nieder, weil sich die Sprache nicht mehr wie meine eigene anhörte. Ein Konflikt mit der Welt ist immer auch ein Konflikt mit dem eigenen Selbst.Am Ende kehre ich zu derselben Frage zurĂŒck:Was bleibt vom Menschen, wenn die Freiheit des Denkens verschwindet?