Zwei Hamburger segeln nach Harwich: und reisen die Themse hinauf bis Oxford Vom Hamburger Yachthafen Wedel ist es ein weiter Weg nach England. Erst die Elbe hinunter, durchs Wattenmeer, vorbei an den
Zwei Hamburger segeln nach Harwich: und reisen die Themse hinauf bis Oxford Vom Hamburger Yachthafen Wedel ist es ein weiter Weg nach England. Erst die Elbe hinunter, durchs Wattenmeer, vorbei an den Apartmenthäusern der belgischen Küste, durch die seltsam ruhige Maasgeul vor Rotterdam bis nach Dünkirchen. Dort beginnt der eigentliche Sprung: über den Ärmelkanal, mit Wind gegen Strom, Brexit-Bürokratie an Bord und einem britischen Excel-Formular für die Border Force. Es ist Florians Geburtstag. Das Cockpit ist mit Fähnchen geschmückt, und die Frage, was ein "Red Ensign" ist und warum man besser keinen Union Jack am Mast hisst, gehört zu den Aufgaben des Tages. Florian und Birgit Hanauer machen in Ramsgate fest und reisen die englische Südküste entlang. Auf dem Weg liegen alte Seebäder mit prächtigen Piers und verwaisten Fußgängerzonen, Pound Shops und Wetherspoons-Filialen, geschlossene Stadtparks und herrschaftliche Fassaden mit vergangener Größe. Sie folgen den Spuren von Dr. Richard Russel, der 1730 in Brighton das Baden im Meer erfunden hat, treffen britische Yachtbesatzungen, die unter den neuen EU-Regeln seufzen und ihre Bilgen mit französischem Wein füllen, und entdecken ein England, das sich zwischen Tradition und Pragmatismus eingerichtet hat. Dann beginnt die zweite Reise: die Themse hinauf nach London, mit Halt in den St. Katharine Docks im Schatten der Tower Bridge — und weiter, auf den Spuren von Jerome K. Jeromes "Drei Männer in einem Boot" von 1889, bis nach Oxford. Wie genau, das muss man dem Buch überlassen. Die Themse hat ihre Tücken, und Jerome konnte 1895 nicht ahnen, dass London Bridge und englisches Kanalnetz hundertdreißig Jahre später ihre eigenen Geschichten erzählen würden. Zurück geht es nach Osten, in den Fluss Orwell und nach Harwich — von wo aus einst die Englandfähre nach Hamburg verkehrte, die das Buch in einem eigenen Kapitel würdigt. Es ist der vierte Band der Reihe Nordische Segelabenteuer und vielleicht der freieste. Zwischen den Etappen stehen kleine Exkurse: über die Korsaren von Dünkirchen, über Britannia und das Lied "Rule, Britannia", über Magnus Volk, der 1896 in Brighton eine Eisenbahn baute, die durchs Wasser fuhr. Ein Reisebericht im Stil von Bill Bryson, mit Sinn für das Komische der eigenen Lage und Respekt vor dem Land, durch das gereist wird. /// "All I ask is a tall ship and a star to steer her by." — John Masefield, "Sea-Fever" (1902)