Frank, gelernter LiteraturĂŒbersetzer, Spezialist fĂŒr das französische neunzehnte Jahrhundert, hat lĂ€ngst keine AuftrĂ€ge mehr. Zuletzt arbeitete er im Teilzeitjob als sogenannter Integrationscoach fĂŒr
Frank, gelernter LiteraturĂŒbersetzer, Spezialist fĂŒr das französische neunzehnte Jahrhundert, hat lĂ€ngst keine AuftrĂ€ge mehr. Zuletzt arbeitete er im Teilzeitjob als sogenannter Integrationscoach fĂŒr einen FlĂŒchtlingsverein. Doch die politische Landschaft in Berlin rutscht gewaltig. Boris von Breest, charismatischer Moderator des Fernsehsenders BeNews, Erfolgsprodukt der Zusammenarbeit eines erzkonservativen französischen Medienmoguls mit einer deutschen Verlegerin, wird Regierender BĂŒrgermeister. Seine Bewegung "BĂŒrger fĂŒr Berlin" hat die AFD erfolgreich beerbt. Von Breest hat ihr Programm geplĂŒndert, ihm ein neues Gesicht geschenkt. Besonders im Kampf gegen den Antisemitismus hat er eine politisch nĂŒtzliche Waffe entdeckt. Seine Ehefrau ist eine französische JĂŒdin, was ihm GlaubwĂŒrdigkeit verleiht. Sein Kernthema ansonsten: Die seit Jahrzehnten in Abseits gedrĂ€ngten Belange der deutschen Mehrheitsgesellschaft, besonders die der Ă€lteren Generation, gehören wieder in den politischen Fokus. Ebenso der Kampf gegen die drohende Ăberfremdung. Konsequenz fĂŒr Frank: Seinem Verein werden alle Gelder gestrichen, er wird arbeitslos, soll sich einem Coaching-Programm fĂŒr Jungsenioren unterziehen. Doch er hat GlĂŒck. Ein alter Freund besitzt enge Kontakte zum neuen Senat. Auch kulturpolitisch hat von Breest GroĂes vor. Ziel ist eine neue Leit- und Erinnerungskultur im Dienst einer gemeinsamen IdentitĂ€t. Nicht die Eliten sollen den Ton angeben, jedermanns Geschichte soll Platz darin finden. Den von Breest umgebenden High-Tech-Kommunikationsexperten mangelt es nicht an Ideen. Eine ist besonders ausgefallen. Das Ampelgeschichtenprojekt. Dank ihm soll der neue Geist auch die StraĂen erobern. Das Narrativ bedarf begabter ErzĂ€hler. Frank wird einer von ihnen.Die Geschichte ist die ErzĂ€hlung eines Stadtneurotikers, der aber ums Verrecken nicht aufs Land ziehen wĂŒrde - melancholisch, ironisch, bissig, anarchistisch, aus der Zeit gefallen, zwischen allen StĂŒhlen. Im Hintergrund geht es um Macht, die Besitzergreifung der Sprache, Bilder, den Dichter Baudelaire, aber nicht zuletzt auch um eine kleine Liebesgeschichte mit ihren unvermeidlichen RĂ€tseln.