Besuchszeit

Dorothea Iser

Leichte Unterhaltung

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Beschreibung zu „Besuchszeit“

Bettina wollte ihre Schwester Jule nie wiedersehen. Sie kann nicht vergessen, dass Jule sie belogen und betrogen und ihr den Freund weggenommen hat. Auch vor der Begegnung mit Albert, der ihrer Schwester nicht hat widerstehen können, fürchtet sie sich. Und trotzdem fährt sie zu Jule, die mit lebensgefährlichen Verletzungen im Krankenhaus liegt.

LESEPROBE:
Franziska öffnete die Korridortür, sie hatte schon auf die Tochter gewartet. Darum war sie sicher, als sie jemanden die Treppe heraufkommen hörte, dass es Bettina war.
„Wie siehst du aus?“, fragte sie bekümmert und sah übers Geländer hinunter ins Treppenhaus, wo jemand eilig davonlief.
„War das Albert?“ Franziska wich vor Bettina zurück.
„Das wagst du?“ Alles in ihr weigerte sich zu glauben, was sie gesehen hatte. Unmöglich. Bettina, sag, dass es nicht wahr ist. „Albert kommt mir nicht mehr ins Haus!“ Ihre Stimme überschlug sich. Wie zerstört musste Bettina sein, wenn sie versuchte, Jules Platz bei Albert einzunehmen.
Bettina schien die Sorgen der Mutter nicht wahrzunehmen. Sie ging sofort in das Mädchenzimmer und warf sich auf das Bett.
Seit jener Nacht, in der Jule mit Albert zurückgekommen war und sagte, sie wollen zusammenbleiben, war Bettina nicht mehr zu der Mutter gekommen. Vielleicht nährte sie einen Vorwurf gegen die Eltern. Nun habt ihr endlich, was ihr wollt. Franziska erinnerte sich an die gespenstische Szene. Der frühe Morgen im Korridor, alle mit bleichen Gesichtern, Bettinas Weinen, das niemand sah. Franziska hätte Albert am liebsten fortgeschickt, aber dann hätte sie Jule gleich wieder verloren. Franziska tröstete sich schließlich damit, dass Bettina jetzt ertragen musste, was sie vor einem Jahr ihrer Schwester zugemutet hatte.
„Erinnerst du dich daran?“, fragte Franziska Hans, der sich suchend im Korridor umsah.
„Albert hat Bettina gebracht. Stell dir das vor! Albert. Weißt du noch?“, begann sie erneut mit den Erinnerungen. Sie stellte sich ans Fenster und sah auf die parkenden Autos hinunter.
„Du beschwörst die alten Geschichten herauf. Das hat keinen Sinn.“
„Für dich vielleicht nicht. Aber für mich ist es wichtig.“ Hans hatte das Licht eingeschaltet. „Franziska“, mahnte er. „Das Grübeln hat keinen Sinn. Geh zu ihr!“
Franziska öffnete vorsichtig die Tür zu Bettinas Zimmer. „Bella?“, fragte Bettina.
„Ich bin nicht Bella.“
„Ich möchte bei Bella sein“, sagte Bettina. „Ich wäre gern Bellas Tochter. Dann wäre Jule nicht meine Schwester. Ihr hättet Für alle.“

Verlag:

EDITION digital

Veröffentlicht:

2015

Druckseiten:

ca. 155

Sprache:

Deutsch

Medientyp:

eBook


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