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Beschreibung zu „Ins fahle Herz des Sommers (Gekürzt)“

Über Andreas Eschbach

Andreas Eschbach, geboren 1959 in Ulm, wurde vor allem durch den ThrillerDAS JESUS-VIDEO bekannt, gefolgt von Bestsellern wie EINE BILLION DOLLAR und AUSGEBRANNT. Sein Roman NSA – NATIONALES SICHERHEITS-AMT befasst sich mit der brisanten Frage: Was wäre, wenn es im Dritten Reich bereits Computer und das Internet gegeben hätte – und deren totale Überwachung? Andreas Eschbach lebt seit 2003 mit seiner Familie als freier Schriftsteller in der Bretagne.

Gelesen von

Matthias Koeberlin

Verlag:

Lübbe Audio

Veröffentlicht:

2026

Länge:

5 Std. 13 Min.

Sprache:

Deutsch

Medientyp:

Audiobook

Barrierefreiheitsinformationen

Keine Information zur Barrierefreiheit bekannt

2 Kommentare zu „Ins fahle Herz des Sommers (Gekürzt)“

Meinung zu Ins fahle Herz des Sommers Inhalt Die nahe Zukunft ist heiß. Nicht sommerlich heiß, sondern lebensfeindlich. Große Teile des Südens sind unbewohnbar geworden, staatliche Strukturen zerfallen, und wer genügend Geld und Möglichkeiten hatte, ist in kühlere Regionen wie Nordschottland, Grönland, Kanada oder Sibirien geflohen. Fausto gehört zu denen, die geblieben sind. In einem fast verlassenen französischen Dorf versucht er mit wenigen anderen Menschen, unter extremen Bedingungen weiterzuleben. Wasser und Nahrung sind kostbar, die Hitze bestimmt den Tagesrhythmus, und von der alten Normalität existieren nur noch Reste. Dann taucht Valérie auf. Sie ist jung, rätselhaft und scheint mit Temperaturen zurechtzukommen, unter denen Fausto und die anderen leiden. Fausto fühlt sich zu ihr hingezogen und beginnt zu hoffen, dass in dieser sterbenden Welt vielleicht doch noch etwas Neues entstehen kann. Doch Valérie trägt ein Geheimnis in sich, das weit über die Beziehung zwischen zwei Menschen hinausgeht. Mehr möchte ich über die Handlung gar nicht verraten, denn gerade die Frage, warum Valérie so anders ist, gehört für mich zu den Dingen, die man beim Lesen selbst entdecken sollte. Meine Meinung Ich mag Andreas Eschbach besonders dann, wenn er eine große wissenschaftliche oder gesellschaftliche Frage nimmt und daraus keine theoretische Abhandlung, sondern eine Geschichte macht. Genau das gelingt ihm hier wieder. Ins fahle Herz des Sommers ist mit seinen rund 240 Seiten ungewöhnlich kompakt und liest sich fast wie ein langes Gedankenexperiment. Und diese Kürze funktioniert für mich. Eschbach braucht keine hundert Seiten, um mir diese Welt glaubhaft zu machen. Ich konnte die Hitze beinahe körperlich spüren. Dieses permanente Suchen nach Schatten, Wasser und einem halbwegs erträglichen Platz verändert das gesamte Leben. Die Apokalypse kommt hier nicht mit einem großen Knall. Sie besteht aus Hitze, Leere und dem langsamen Verschwinden dessen, was einmal selbstverständlich war. Fausto fand ich gerade deshalb interessant, weil er kein klassischer Held ist. Er überlebt irgendwie. Er improvisiert, hält durch und klammert sich an die Reste einer Welt, die eigentlich schon verloren ist. Mit Valérie verändert sich die Geschichte. Zunächst wirkt sie wie Hoffnung in Menschengestalt, doch nach und nach wird klar, dass Eschbach etwas wesentlich Größeres verhandelt. Und genau dort liegt für mich die eigentliche Stärke des Romans: im evolutionären Gedanken. Das darwinistische Prinzip des Survival of the Fittest bedeutet eben nicht das Überleben des Stärksten, sondern das Überleben dessen, der am besten an veränderte Umweltbedingungen angepasst ist. Und plötzlich bekommt Faustos Geschichte für mich eine ganz andere Bedeutung. Er steht für eine Menschheit, deren Körper für diese neue Erde schlicht nicht gemacht sind. Das fand ich gleichzeitig faszinierend und erschreckend. Besonders stark ist für mich deshalb auch die Entwicklung zwischen Fausto und Valérie. Ihre Beziehung ist nicht einfach nur eine Liebesgeschichte inmitten einer Klimakatastrophe. Sie wird zur Verbindung zwischen zwei Entwicklungsstufen des Menschen. Gerade der Gedanke an ihr gemeinsames Kind hat mich getroffen: Fausto kann die Zukunft möglicherweise nicht mehr selbst betreten, aber etwas von ihm wird in ihr weiterleben. Und darin liegt für mich die eigentliche Bitterkeit des Romans. Die neue Menschheit rettet die alte nicht unbedingt. Sie könnte sie ersetzen. Das ist kein gemütlicher Hoffnungsschimmer am Horizont. Eschbach denkt Evolution konsequent weiter: Wenn sich die Umwelt radikal verändert, muss sich das Leben verändern oder verschwinden. Die Erde braucht den Menschen in seiner heutigen Form nicht. Das ist ein ziemlich unangenehmer Gedanke, gerade weil der Roman ihn nicht mit erhobenem Zeigefinger präsentiert. Sprachlich fand ich das Buch sehr zugänglich. Eschbach schreibt klar und schnörkellos und verliert sich nicht in wissenschaftlichen Erklärungen. Gerade dadurch funktionieren die großen Fragen dahinter. Man kann den Roman schnell lesen, aber mit dem Denken darüber ist man wesentlich länger beschäftigt. Fazit Ins fahle Herz des Sommers ist für mich weniger klassische Klimadystopie als ein beklemmendes evolutionäres Gedankenexperiment. Was passiert, wenn nicht mehr die Erde an den Menschen angepasst werden kann, sondern der Mensch sich an eine vollkommen veränderte Erde anpassen muss? Besonders Faustos Schicksal hat für mich etwas Melancholisches. Er gehört möglicherweise zu einer Menschheit, deren Zeit abläuft, während die nächste Generation bereits für eine Welt geschaffen ist, in der er selbst kaum noch existieren kann. Wer Science-Fiction mag, die eine große Idee auf vergleichsweise wenigen Seiten durchspielt und einen anschließend mit unangenehmen Fragen alleinlässt, dürfte hier genau richtig sein. Bewertung ⭐⭐⭐⭐⭐ 5 von 5 Sternen

Super,

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