"Hexenwahn: Die Geschichte und Hintergründe der Hexenprozesse" erschließt ein düsteres Kapitel europäischer Rechts-, Religions- und Sozialgeschichte aus unterschiedlichen textlichen Perspekt
"Hexenwahn: Die Geschichte und Hintergründe der Hexenprozesse" erschließt ein düsteres Kapitel europäischer Rechts-, Religions- und Sozialgeschichte aus unterschiedlichen textlichen Perspektiven. Normative dämonologische Argumentation, quellennahe historische Darstellung und rechtsgeschichtliche Analyse treten in einen aufschlussreichen Zusammenhang. Die Sammlung macht sichtbar, wie Vorstellungen von Magie, Häresie und gesellschaftlicher Bedrohung in Verfahren, Urteilen und institutioneller Gewalt Gestalt annahmen. Die vereinten Stimmen von Heinrich Institoris und Jakob Sprenger, den traditionsgemäß mit dem "Hexenhammer" verbundenen Dominikanern, stehen für die spätmittelalterliche Systematisierung der Hexenlehre. Wilhelm Gottlieb Soldan erweitert diesen Horizont durch seine kritische historiographische Erforschung der Prozesse; Oskar Wächter schärft ihn mit rechtswissenschaftlichem Blick auf Verfahrensformen und Rechtsvorstellungen. Gemeinsam markieren diese Autoren den Wandel von theologischer Legitimation über frühneuzeitliche Verfolgungspraxis bis zu ihrer modernen historischen Bewertung. Der Band empfiehlt sich als konzentrierte, zugleich vielstimmige Einführung in die Mechanismen des Hexenwahns. Er erlaubt, Quellen nicht isoliert, sondern im Dialog mit ihrer späteren Kritik zu lesen. Für Forschende, Studierende und historisch Interessierte eröffnet er einen lehrreichen Zugang zu den Spannungen zwischen Glauben, Recht, Angst und Macht – und damit zu den Bedingungen, unter denen Verfolgung gesellschaftlich plausibel werden konnte.