In "Grundbegriffe der Gegenwart" untersucht Rudolf Eucken jene geistigen Leitvorstellungen, mit denen die moderne Gesellschaft ihre Wirklichkeit ordnet und bewertet. Begriffliche Kategorien
In "Grundbegriffe der Gegenwart" untersucht Rudolf Eucken jene geistigen Leitvorstellungen, mit denen die moderne Gesellschaft ihre Wirklichkeit ordnet und bewertet. Begriffliche Kategorien wie Individualismus, Sozialismus, Naturalismus und die Idee des Fortschritts erscheinen dabei nicht als neutrale Werkzeuge, sondern als Ausdruck umfassender Weltanschauungen. Eucken verbindet historische Analyse mit systematischer Kritik und fragt, welche Voraussetzungen ein wahrhaft geistiges und sittlich verantwortetes Leben ermöglichen. Der klar argumentierende, zugleich kulturphilosophisch weit ausgreifende Stil steht im Kontext des späten deutschen Idealismus und der zeitgenössischen Auseinandersetzung mit Positivismus, Materialismus und gesellschaftlicher Modernisierung. Das Buch ist daher sowohl begriffsgeschichtliche Studie als auch programmatischer Entwurf einer erneuerten geistigen Kultur. Rudolf Eucken (1846–1926), Professor der Philosophie in Jena und später Nobelpreisträger für Literatur, entwickelte eine Philosophie des "geistigen Lebens". Angesichts der naturwissenschaftlichen Erklärungsmodelle, der Industrialisierung und der sozialen Konflikte seiner Epoche suchte er nach einer Form des Idealismus, die nicht weltfern, sondern im tätigen menschlichen Leben wirksam sein sollte. Seine intensive Beschäftigung mit Kant, Fichte und der Geschichte der Philosophie prägte die hier entfaltete Kritik moderner Selbstverständlichkeiten. Dieses Buch empfiehlt sich allen, die die geistigen Grundlagen der Moderne nicht bloß historisch, sondern auch kritisch verstehen möchten. Es eröffnet einen präzisen Zugang zu Euckens Denken und regt dazu an, über Freiheit, Verantwortung und die Zukunft gemeinsamer Werte neu nachzudenken.