"Die letzten Tage der Romanows" rekonstruiert mit dokumentarischer Strenge die Gefangenschaft und Ermordung Nikolaus' II., seiner Familie und ihres engsten Umfelds im revolutionären Rus
"Die letzten Tage der Romanows" rekonstruiert mit dokumentarischer Strenge die Gefangenschaft und Ermordung Nikolaus' II., seiner Familie und ihres engsten Umfelds im revolutionären Russland. Das Werk verbindet kriminalistische Untersuchung, Zeugenaussagen, Ortsbefunde und politische Analyse zu einer nüchternen, zugleich erschütternden Darstellung. Literarisch steht es weniger in der Tradition des Romans als in jener der historischen Anklageschrift: präzise, aktennah, von der Überzeugung getragen, dass Wahrheit aus Indizien, Protokollen und materiellen Spuren gewonnen werden muss. Nikolai Sokolov war Untersuchungsrichter und wurde während des Bürgerkriegs mit der Erforschung des Verschwindens der Zarenfamilie beauftragt. Seine juristische Ausbildung, seine Nähe zu den Ermittlungen in Jekaterinburg und sein Zugang zu Aussagen, Dokumenten und Tatorten prägten die Anlage des Buches entscheidend. Er schrieb nicht als distanzierter Chronist, sondern als Beamter, der inmitten politischer Umbrüche Beweise sichern und ein historisches Verbrechen begreifbar machen wollte. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die die Russische Revolution nicht nur als ideologisches Ereignis, sondern als menschliche Katastrophe verstehen möchten. Es bietet keine leichte Lektüre, wohl aber eine eindringliche Quelle für Historiker, Romanow-Interessierte und alle, die nach dem Verhältnis von Macht, Gewalt und Erinnerung fragen.