Der Familie unserer Mutter ging es wegen der umsichtigen TĂŒchtigkeit unseres GroĂvaters wirklich gut. Das LederwarengeschĂ€ft war in seinem Angebot breit gefĂ€chert und auf den Bedarf der Kunden eingest
Der Familie unserer Mutter ging es wegen der umsichtigen TĂŒchtigkeit unseres GroĂvaters wirklich gut. Das LederwarengeschĂ€ft war in seinem Angebot breit gefĂ€chert und auf den Bedarf der Kunden eingestellt. Die UmsĂ€tze waren entsprechend gut. Konkurrenz gab es zu dem FachgeschĂ€ft nicht.Besonders interessant war es im LedergeschĂ€ft fĂŒr uns Kinder. Dort durften wir oft kleine NĂ€gel fĂŒr die Lederbesohlung von Schuhen bis jeweils zu genau 50 Gramm pro TĂŒte abwiegen. Wir konnten das fĂŒr unser Alter schon sehr gut, denn wir Ălteren waren zu der Zeit gerade mal 5 und 4 Jahre alt und lernten dadurch schon frĂŒh mit Gewichten und Waage umzugehen. Die Kunden, die das sahen, amĂŒsierten sich königlich darĂŒber, wie ernsthaft und eifrig wir bei der Sache waren. Feiertage waren unserem GroĂvater wichtig.An solchen Feiertagen kam meistens die ganze Familie zusammen. Oft war auch Onkel Johann aus Berlin mit seiner Frau Hellen dabei. Anna, Opas treue HaushĂ€lterin und Hausdame, kochte stets die herrlichsten Festmahlzeiten, und der Tisch war voll mit allen möglichen Leckereien. Es fehlte an nichts. Ich kann mich gut an die goldbraun gebratene Weihnachtsgans auf dem Tisch erinnern. Die ganze Familie saĂ in der groĂen Stube am ausgezogenen Tisch, genoss das leckere Mahl und war bester Stimmung. Anna-Tante, Onkel Eduards Frau, war besonders gut in Form. Sie wurde von uns Kindern wegen der vielen Annas in der Familie so genannt. Sie amĂŒsierte sich köstlich, fĂŒhlte sich rundherum wohl und war glĂŒcklich in der Gemeinschaft. Oft hatte sie einen dicken GĂ€nseknochen in jeder Hand und fuchtelte damit lebhaft in der Luft herum. Sie erzĂ€hlte viel von sich und ihrem ehemaligen Zuhause in Russland und war kaum zu unterbrechen. An solchen Tagen hatten sie und Onkel Eduard ganz besonders viel SpaĂ mit uns, und wir Kinder waren kaum zu bĂ€ndigen. Einmal tobte er mit meinem kleinen Bruder Robert so sehr, dass ihm die Hose zerriss.