In ganz Mitteleuropa (nach der aktuellen Landkarte acht LĂ€nder und SĂŒdtirol) erzĂ€hlte man einst Sagen von hilfreichen Zwergen des Typus HeinzelmĂ€nnchen, mĂ€nnlichen und weiblichen. Diese Sagen weisen g
In ganz Mitteleuropa (nach der aktuellen Landkarte acht LĂ€nder und SĂŒdtirol) erzĂ€hlte man einst Sagen von hilfreichen Zwergen des Typus HeinzelmĂ€nnchen, mĂ€nnlichen und weiblichen. Diese Sagen weisen gemeinsame Motive auf: Die Zwerge werden von den Menschen verpflegt. - Sie verrichten Arbeiten, die weder Kraft noch Ăbung voraussetzen. - Man kann sie zur Hilfeleistung aufbieten - Sie sind konventionell unsichtbar, was entweder durch SchwĂ€rzung oder durch eine besondere Kopfbedeckung signalisiert wird. - Sie absolvieren einzeln ein soziales Praktikum. - Man entlĂ€sst sie mit einem Anzug von roter Farbe, und das gilt fĂŒr die Sennengehilfen in Tirol genauso wie fĂŒr die Schiffsjungen von der Ostsee, die als KlabautermĂ€nner bekannt sind. Da es praktisch unmöglich ist, dass die ErzĂ€hler sich abgesprochen haben, mĂŒssen sich die Sagen auf einen ehemals verbreiteten Brauch beziehen.Jener Brauch ist im frĂŒhen Mittelalter aus der sozialen Wirklichkeit verschwunden. Nachdem die Erinnerung an ihn verblasst war, haben zahlreiche Entstellungen sein Bild verdunkelt und die Forscher verwirrt. Der Verfasser rekonstruiert den Brauch, wobei er sich auf die Jugendweihe der Naturvölker, auf ZaubermĂ€rchen und auf die Beschreibung der rumĂ€nischen MĂ€dchen-Spinnstube sowie der ukrainischen MĂ€dchen-Spinnstube stĂŒtzt.