FĂŒr die Forschung zur nationalsozialistischen Besatzungspolitik in Polen scheint der Befund eindeutig: Auf einen mit Ă€uĂerster BrutalitĂ€t gefĂŒhrten Krieg folgte der von der SS vorangetriebene Versuch,
FĂŒr die Forschung zur nationalsozialistischen Besatzungspolitik in Polen scheint der Befund eindeutig: Auf einen mit Ă€uĂerster BrutalitĂ€t gefĂŒhrten Krieg folgte der von der SS vorangetriebene Versuch, zumindest den annektierten Westen des Landes in einen "Exerzierplatz" rassischer Lebensraumpolitik zu verwandeln, in eine - so Himmler - "blonde Provinz". Gerhard Wolfs Analyse fördert indes Erstaunliches zutage. Himmlers PlĂ€ne stieĂen bei verschiedenen Institutionen auf erbitterten Widerstand, als durch sie ein groĂer Teil der polnischen Bevölkerung als "rassisch ungeeignet" deportiert werden sollte, und sie scheiterten schlieĂlich an den lokalen Gauleitern. Deren Selektionsverfahren stellten nicht "Rasse", sondern "Volk" in den Mittelpunkt. Sie zielten mit Verweis auf die - freilich oftmals erzwungene - Bereitschaft der Einheimischen, die deutsche Herrschaft anzuerkennen, auf die Einbindung in die deutsche Volksgemeinschaft. Die Vermutung, in einem nach rassistischen Kriterien organisierten Staat werde sich die Konfliktpartei durchsetzen, die fĂŒr eine rassistische Politik steht, ist naheliegend - in diesem Fall fĂŒhrt sie jedoch in die Irre.