Das ErzÀhlen boomt. Storytelling ist ein Renner unter den Managementkursen. Eine ganze Kleinkunstszene reaktiviert den Zauber des ErzÀhlens. Werbeleute, Fotografinnen und Köche, die etwas auf sich hal
Das ErzĂ€hlen boomt. Storytelling ist ein Renner unter den Managementkursen. Eine ganze Kleinkunstszene reaktiviert den Zauber des ErzĂ€hlens. Werbeleute, Fotografinnen und Köche, die etwas auf sich halten, lassen ihre Produkte, Bilder und Gerichte Geschichten erzĂ€hlen. Und der Begriff der Narrative hat lĂ€ngst den Intellektuellenjargon verlassen und ist in die politische Alltagsprache gewandert: Europa, so heiĂt es zum Beispiel, brauche dringend ein neuesNarrativ.Diese Konjunktur des ErzĂ€hlens lĂ€sst in neuer Weise nach dem alten "Funkelstein" (A. Stock) der Narrativen Theologie fragen, den Harald Weinrich 1973 vorgelegt und um den Johann B. Metz dann einen "magisch-apologetischen Kreis" gezogen hat: "Und da liegt das glitzernde Oxymoron nun seit Jahr und Tag und verfĂŒhrt die Theologen, die praktischen vor allem, zu allerlei AktivitĂ€ten" (A. Stock). Es lohnt sich, dieses Konzept in die Gegenwart zu stellen und Kirche als eine entsprechende "ErzĂ€hlgemeinschaft" (J. B. Metz) zu konzipieren: "Es ist notwendig, dorthin zu gelangen, wo die neuen Geschichten und Paradigmen entstehen" (Papst Franziskus).Dieses Heft (ver)fĂŒhrt an faszinierende Orte der "ErzĂ€hlbarkeit des Lebens" (A. Nassehi) in den kleinen Geschichten und "groĂen ErzĂ€hlungen" (J.-F. Lyotard) unserer Zeit - bis hin zu Game of Thrones. Story.one beschreibt, worum es geht: "Wir bringen das Lagerfeuer zurĂŒck in die Mitte der Gesellschaft." Die Chemnitzer Seite aufstand-der-geschichten.de zeigt, wie politisch das in einer von "instrumentellen ErzĂ€hlern" (B. Pörksen) polarisierten Zeit sein kann, deren Framing sich um keine Fakten mehr schert: "Das Ziel ist Wirkung, nicht Wahrheit" (B. Pörksen).Nichts schafft offenere IdentitĂ€tskonstruktionen, als bei einem Kaffee oder einem Bier die eigene Geschichte zu erzĂ€hlen. Und nichts ist spannender, als dann auch die Geschichte des Anderen zu hören. SolchermaĂen gewĂŒrdigtes Leben ist ein Schatz: "Menschen sind die Worte, mit denen Gott seine Geschichten erzĂ€hlt" - dieser Satz von Edward Schillebeeckx hat es fĂŒr meine Frau und mich sogar zum Trauspruch gebracht. Aber das ist eine andere GeschichteâŠ