Kennzeichnend fĂŒr den Postfranquismus war eine erinnerungskulturelle Paradoxie, die sich durch das politisch-institutionelle VerdrĂ€ngen des fĂŒr die Menschen Unvergesslichen auszeichnete. Der Ăbergang
Kennzeichnend fĂŒr den Postfranquismus war eine erinnerungskulturelle Paradoxie, die sich durch das politisch-institutionelle VerdrĂ€ngen des fĂŒr die Menschen Unvergesslichen auszeichnete. Der Ăbergang zwischen Diktatur und Demokratie charakterisierte sich durch eine offizielle Rhetorik des Neuanfangs, des Konsenses und der Versöhnung, die Erinnerungen an BĂŒrgerkrieg und franquistische Repression als Gefahr fĂŒr die politische Konsolidierung Spaniens betrachtete und traumatischen Erfahrungen kaum diskursiven Raum gewĂ€hrte. Die Studie untersucht, inwiefern diese Diskrepanz zwischen gemachter Erfahrung und unerfĂŒllter memorialer Erwartung strukturgebend auf das Werk der Theatermacher JosĂ© Sanchis Sinisterra, JosĂ© Luis Alonso de Santos und Ignacio Amestoy Egiguren wirkte. Diese gehörten zu einer Gruppe von Dramatiker:innen, die den Franquismus erlebten und sich nach dem Tod Francos in der Rolle der Neuerer der spanischen BĂŒhne wiederfanden. In ihren Dramen und Inszenierungen reagierten sie auf den pacto de silencio. Dabei changierten sie zwischen der mimetischen Darstellung von Vergangenem und performativen Akten des gemeinsamen Erinnerns, um erinnerungskulturelle Leerstellen abzubilden und das Theater zugleich zu einem wirkmĂ€chtigen Medium des kulturellen GedĂ€chtnisses werden zu lassen.