Täglich verwenden wir Begriffe, um Entscheidungen zu begründen, Erfahrungen zu beschreiben und die Welt zu erklären. Doch was passiert, wenn inflationär immer mehr unterschiedliche Phänomene unter die
Täglich verwenden wir Begriffe, um Entscheidungen zu begründen, Erfahrungen zu beschreiben und die Welt zu erklären. Doch was passiert, wenn inflationär immer mehr unterschiedliche Phänomene unter dieselben Wörter fallen? Wenn wir Begriffe wie Trauma, Narzissmus, Gewalt oder Resilienz so weit ausdehnen, bis sie fast alles und gleichzeitig nichts mehr bedeuten? Und schlimmer noch: Was geschieht, wenn ehemals heilende oder emanzipatorische Werte wie Freiheit, Dankbarkeit oder Authentizität durch die Logik des Marktes radikal umgedeutet und in ihr exaktes Gegenteil verkehrt werden? Die Konsequenz ist spürbar: Der Bedeutungsumfang unserer Sprache wächst, doch unsere echte Orientierung schrumpft. Wir verwenden dieselben Worte, ohne noch über dieselbe Sache zu sprechen – oder wir merken nicht, dass ein vermeintlicher Raum der Selbstbestimmung längst als Werkzeug der Selbstausbeutung dient. Dieses Buch legt die verborgenen Kräfte hinter dieser sprachlichen Verwässerung und strategischen Umdeutung offen – von der Logik der Aufmerksamkeitsökonomie bis zur schleichenden Ökonomi-sierung unseres Geistes. In 101 präzisen Analysen seziert der Autor die Schlüsselbegriffe unserer Gegenwart unter vier konsequenten Gesichtspunkten: ihrer ursprünglichen Bedeutung, ihrer heutigen Verwendung, der manipulativen Vermischung der Phänomene und den fatalen Konsequenzen für das Individuum. Es geht dabei nicht um die Suche nach starren Definitionen, sondern um die Wiederentdeckung echter Trenn-schärfe. Das Lexikon der Bedeutungsinflation ist ein scharfzüngiges, philosophisches Werkzeug und eine Einladung, unsere alltägliche Sprache radikal neu zu hinterfragen. Ein Buch für alle, die sich nicht länger mit Phrasen abspeisen lassen wollen. Denn Orientierung entsteht nicht dort, wo wir immer mehr Begriffe verwenden – sie entsteht dort, wo wir wieder erkennen, worin sie sich im Kern unterscheiden.