Ann Radcliffes 1797 erschienener Schauerroman "Die Italienerinn" führt die junge Ellena Rosalba in ein Italien, dessen malerische Landschaften ebenso faszinieren wie seine verborgenen Machts
Ann Radcliffes 1797 erschienener Schauerroman "Die Italienerinn" führt die junge Ellena Rosalba in ein Italien, dessen malerische Landschaften ebenso faszinieren wie seine verborgenen Machtstrukturen. Ihre Liebe zu Vivaldi gerät unter den Einfluss der Marquise, die diese Verbindung verhindern will, und des düsteren Beichtvaters Schedoni, dessen Vergangenheit eng mit Intrige, Schuld und religiösem Fanatismus verknüpft ist. Radcliffe verbindet die Tradition der Gothic Novel mit kunstvoll komponierten Naturbeschreibungen, wechselnden Perspektiven und einer Poetik des Erhabenen. Charakteristisch ist zudem die Spannung zwischen scheinbar übernatürlichen Erscheinungen und rationaler Aufklärung: Das Grauen entsteht weniger aus dem Monströsen als aus Ungewissheit, politischer Willkür und psychischer Bedrohung. Ann Radcliffe (1764–1823) gilt als eine der maßgeblichen Begründerinnen und stilprägenden Autorinnen der englischen Schauerliteratur. Ausgebildet im kulturellen Umfeld des späten 18. Jahrhunderts und mit dem Journalisten William Radcliffe verheiratet, veröffentlichte sie neben "Die Italienerinn" unter anderem "Die Burgen von Athlin und Dunbayne" und "Die Geheimnisse von Udolpho". Ihre intensive Auseinandersetzung mit Empfindsamkeit, Landschaftsästhetik, katholischer Imagination und weiblicher Selbstbestimmung prägte ihre Romane. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die den Ursprung des modernen Gothic-Romans kennenlernen möchten. Es verbindet atmosphärische Spannung mit moralischer und gesellschaftlicher Kritik und zeigt eindrucksvoll, wie Literatur Angst, Begehren und Vernunft zugleich erfahrbar machen kann.