„Die Herzen der Liebenden haben Augen, die erschließen, was den Sehenden verborgen bleibt.“ Was als die Flucht eines Jungen vor der Strenge der Koranschule beginnt, führt ihn in den Schrein des Mawlan
„Die Herzen der Liebenden haben Augen, die erschließen, was den Sehenden verborgen bleibt.“ Was als die Flucht eines Jungen vor der Strenge der Koranschule beginnt, führt ihn in den Schrein des Mawlana Abu Ghannam – und in ein Labyrinth aus Identität, Erinnerung und verborgenen Welten. Durch eine beiläufige Behauptung nimmt der Erzähler gegenüber dem Hüter des Schreins die Identität eines fremden Jungen an: des Prinzen Ammar. Ein winziger Funke genügt, um eine Kette von Ereignissen auszulösen, die sich seinem Verständnis ebenso entziehen wie den Gesetzen der gewöhnlichen Wirklichkeit. Während das Dorf im Rausch des alljährlichen Mawlid-Festes versinkt, geraten die beiden ungleichen Jungen in den Sog einer uralten Fehde. Der gefürchtete Dschinn Baraqusch erhebt sich aus den Tiefen der verborgenen Welt und zwingt Derwische, Diener der Schreine und spirituelle Meister zu einem Kampf, dessen Ausgang über mehr entscheidet als nur das Schicksal eines Kindes. Doch hinter den Gesängen der Maddāhs, den Schreinen der Gottesfreunde und den nächtlichen Feldern des Dorfes verbirgt sich eine tiefere Wirklichkeit. Schritt für Schritt gelangen die Jungen an eine Schwelle, an der Erinnerung, Traum und Erkenntnis ineinanderfließen und die Grenzen zwischen Sichtbarem und Verborgenem zu verschwimmen beginnen. Der Hüter des Schreines ist kein traditioneller Orientroman, sondern eine poetische Reise durch Mystik, Angst, Freundschaft und das Sehen des Herzens. Mit dichter Atmosphäre und einer Sprache zwischen Legende, Erinnerung und Vision erschafft Amr Zein eine eigenständige literarische Welt, die lange nachhallt. Denn manche Türen öffnen sich nur für jene, die bereit sind, anders zu sehen.