Beschreibung zu „Endland“

Gelesen von

Jodie Ahlborn Julian Greis Hans Löw Florian Lukas

Verlag:

Oetinger AUDIO

Veröffentlicht:

2017

Länge:

6 Std. 2 Min.

Sprache:

Deutsch

Medientyp:

Audiobook

Barrierefreiheitsinformationen

Keine Information zur Barrierefreiheit bekannt

1 Kommentar zu „Endland“

Endland – Martin Schäuble Note: B Gehört als Hörbuch Es ist vermutlich wichtig, diese Rezension mit Ehrlichkeit zu beginnen: Mit meinen 48 Jahren gehöre ich ganz sicher nicht mehr zur eigentlichen Zielgruppe dieses Romans. Endland richtet sich klar an jüngere Leserinnen und Leser, vermutlich irgendwo zwischen zehn und fünfzehn Jahren, also an ein Alter, in dem politische Begriffe noch keine theoretischen Konstrukte sind, sondern langsam beginnen, ein moralisches Gewicht zu bekommen. Und genau dort funktioniert dieses Buch erschreckend gut. Martin Schäuble entwirft ein Deutschland der nahen Zukunft, hermetisch verriegelt, regiert von einer nationalistischen Partei, bewacht von Mauern, Grenzanlagen und Angst. Flüchtlinge werden verwaltet wie Gefahrgut, Demokratie ist nur noch eine ausgehöhlte Hülle, und Menschlichkeit wirkt beinahe wie ein subversiver Akt. Das alles ist nicht subtil. Überhaupt nicht subtil. Die Fronten sind klar gezogen wie mit schwarzem Marker auf weißem Papier: hier die kalten Nationalisten, dort die moralisch integre Gegenkraft. Grautöne findet man nur selten. Gerade darin liegt zugleich die größte Schwäche und die größte Stärke des Romans. Literarisch bleibt vieles eindimensional. Die Figuren stehen oft weniger als komplexe Menschen im Raum, sondern eher als politische Funktionen innerhalb einer Warnung. Wer böse ist, ist wirklich böse. Wer demokratisch denkt, besitzt fast automatisch moralische Reinheit. Erwachsene Leser merken diese Vereinfachung schnell. Man spürt permanent den pädagogischen Impuls hinter der Geschichte, fast wie eine Sirene unter der Handlung. Und trotzdem: Das Buch funktioniert. Es funktioniert, weil Schäuble genau versteht, wie Angstmechanismen entstehen. Wie Sprache entmenschlicht. Wie Systeme Menschen langsam dazu bringen, Grausamkeit für Ordnung zu halten. Vor allem junge Leser dürften hier zum ersten Mal begreifen, dass Demokratie kein Möbelstück ist, das einfach immer da bleibt, sondern eher etwas Zerbrechliches aus Glas, das ständig geschützt werden muss. Besonders stark fand ich die Atmosphäre der Abschottung und die bedrückende Kälte dieser Welt. Das letzte Flüchtlingslager wirkt wie ein Ort außerhalb jeder Hoffnung, fast wie ein politischer Albtraum aus Stacheldraht und Verwaltungsformularen. Dazu kommt ein wirklich gelungenes Hörbuch: Die Sprecher tragen die Geschichte mit viel Intensität, ohne sie künstlich zu dramatisieren. Gerade bei einem Jugendroman macht das enorm viel aus. Ich würde dieses Buch vermutlich nicht wegen seiner literarischen Feinheit empfehlen. Dafür ist es zu simpel konstruiert. Aber ich würde es Eltern empfehlen, die möchten, dass ihre Kinder früh darüber nachdenken, wie Demokratien kippen können. Nicht mit Explosionen und Fanfaren, sondern mit Angst, Gleichgültigkeit und dem schleichenden Gefühl, Abschottung könne Sicherheit ersetzen. Ein Jugendroman wie ein Warnschild im Nebel: nicht besonders filigran gemalt, aber schwer zu übersehen.

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