60 Jahre PERRY RHODAN – Die größte Science-Fiction-Serie der Welt

Wir feiern 60 Jahre PERRY RHODAN, die bekannteste Weltraum-Serie Deutschlands. Zur Feier des Jubiläums durften wir Christian Montillon, Teil des Autor:innen-Teams hinter Perry Rhodan, und den Illustrator Dirk Schulz interviewen.

Die bekannteste Science-Fiction-Serie Deutschlands

Seit 60 Jahren reist Perry Rhodan bereits zu den Sternen und begeistert seither wöchentlich seine Leser:innen. Egal, ob Weltkrise, Naturkatastrophen oder Weltereignisse wie die Mondlandung oder der Mauerfall, seit 1961 wurde keine einzige Folge ausgesetzt. Wir befragen heute Christian Montillon, Autor des PERRY-RHODAN-Kollektivs und Illustrator Dirk Schulz über ihre Lieblingsfiguren und persönliche PERRY-RHODAN-Geschichte.

Wie bist Du zu PERRY RHODAN gekommen?

Christian Montillon: Als Leser bereits, als ich ein Teenager war – ich habe damals andere Heftromanserien gelesen und kam irgendwann auf die Idee, mir doch einmal eins von diesen Weltraumheften zu kaufen. Der Auslöser war, dass ich den Autor des damals gerade aktuellen Heftes (Ernst Vlcek) von einer anderen Serie her kannte. Als ich dann zwanzig Jahre später bereits einige andere Romane veröffentlicht hatte, stand für mich das Ziel glasklar fest: Ich werde Autor bei PERRY RHODAN!

Dirk Schulz: Ich habe mit dem damaligen Chefautor Robert Feldhoff an den gemeinsamen Comicserien „Indigo“ und „Chiq & Chloe“ gearbeitet. Dadurch kamen mehrfach Treffen mit den PERRY-RHODAN-Verantwortlichen (in erster Linie Klaus N. Frick) auf Messen zustande. Irgendwann hat mich Klaus N. Frick gefragt, ob ich Lust zu einer Gaststaffel für vier Titelbilder habe. Da ich ohnehin ein großer Fan der Serie war und man sich als Zeichner solch eine Chance nicht entgehen lassen darf, habe ich freudig zugesagt. Die vier Titelbilder (Bd. 2134 – 2137) kamen bei den Fans und der Redaktion so gut an, dass ich ab diesem Moment fester Bestandteil des Zeichner:innenteams war. Das wusste ich zwar nicht gleich, aber natürlich hatte ich es gehofft. Und ich bin stolz, dass das so gut geklappt hat. Inzwischen sind es um die 700 Titelbilder für die Hauptserie, Neo, diverse Miniserien, Planetenromane …

20210907<em>Banner-Perry-Rhodan</em>19.jpg

Was ist für Dich das Besondere an PERRY RHODAN?

Christian Montillon: Diese Unendlichkeit der Erzählung, das Es-geht-immer-weiter. Und was die Art der Erzählung von allem anderen abhebt, ist für mich der kosmische Hintergrund ... das „Zwiebelschalenmodell“ mit allen Erweiterungen, Varianten und all der Faszination, die darin steckt.

Dirk Schulz: Am allermeisten haben mich schon als kleiner Junge die Titelbilder von Johnny Bruck begeistert. Die visuelle Vielfalt stellt für mich das Besondere dar. Es ist faszinierend, wie vielfältig die Ideen der Autor:innen sind. Eine Serie, die über so einen langen Zeitraum immer wieder neue Geschichten und neue Charaktere sowie Welten erfindet, übt einfach einen unfassbaren Reiz aus. Dazu zählen für mich natürlich auch die persönlichen Bindungen an das Team und die Autor:innen.

Christian, Du bildest mit Wim Vandemaan das Exposéteam. Wie funktioniert die Zusammenarbeit? Wie wird aus ersten Ideen ein Handlungsbogen über 100 Bände?

Christian Montillon: Das ist (für alle, die die Serie etwas besser kennen und deshalb mit dieser Formulierung etwas anfangen können) die Vierte Ultimate Frage, die nicht mal Perry himself am Berg der Schöpfung hätte beantworten können. Will sagen, das ist ein Geheimnis. Aber es hat viel mit Gedankenmachen, Telefonieren, Dateien Hin-und-Herschicken und nochmal Gedankenmachen zu tun. Es gibt Ideen, die eine große Entwicklung tragen und die dann mit vielen Seiten- und Nebenideen unterfüttert werden müssen. Manchmal trägt auch ein Charakter eine Entwicklung, indem auf einmal klar wird: „Mit dieser Figur muss doch jetzt das und das passieren, und das passt doch perfekt dazu, dass der Schurke XY gerade dieses und jenes plant.“ Und noch besser ist es, wenn eine Figur plötzlich aufsteht und sagt: „Nein! Ich mach das aber so und so!“ (Zur Sicherheit: Das letzte war bildlich gemeint. Oder doch nicht? Figuren entwickeln im besten Fall ein manchmal geradezu gespenstisches Eigenleben ...) Kurz gesagt, die ganze Entwicklung ist auch für mich immer wieder spannend und nimmt manchmal atemberaubende Wendungen.

20210907<em>Header-Perry-Rhodan</em>Montillon.jpg

Es gibt mittlerweile 5000 Romane, die im PERRY RHODAN-Universum spielen. Wenn man neu einsteigen will, wo soll man anfangen?

Christian Montillon: Beim aktuellen Heft. Und dann einfach dranbleiben. Alternativ würde ich vorschlagen: Beim Beginn des gerade aktuellen Zyklus, also momentan mit Nummer 3100, was ja per eBook jederzeit leicht möglich ist. Beides lässt sich auch wunderbar kombinieren – aktuell und parallel ein wenig ab 3100 aufholen ...

Hast Du eine Lieblingsfigur, über die Du besonders gerne schreibst?

Christian Montillon: Ja.

Ach, ihr wollt noch mehr hören? Na gut. Von den Stammfiguren ist das wohl Gucky – ich mag ihn, weil er auch so viele Facetten zu bieten hat. Und weil sein Humor meinem ähnelt. Also, nicht dass ich meine Freunde (so wie der gute Mausbiber das früher zu tun pflegte) über Suppentöpfe schweben lasse. Aber es kommt immer mal wieder vor, dass ich eine Nebenfigur entwickle – üblicherweise beim Romanschreiben selbst, nicht in der Planungsphase vorher – und diese dann besonders mag und fortentwickle. „Immer mal wieder“ meint: alle paar Jahre, denn so etwas passiert nicht ständig. Aktuell ist das (was für Stammleser:innen nicht schwer zu erkennen sein dürfte) Anzu Gotjian, die überhaupt nicht im Exposé stand, aber sich in den Romanen am Ende des 3000er-Zyklus plötzlich ganz ungefragt nach vorne gespielt hat. Das war wirklich frech von ihr!

Kannst Du uns einen kleinen Handlungsausblick geben?

Christian Montillon: Das ist natürlich immer eine heikle Frage. Ich kenn das ja aus meiner Zeit als Leser – man will wissen, wie es weitergeht, aber man will es ja nicht in Interviews lesen, sondern in Romanen. Ich sag mal, es könnte schon sein, dass sich demnächst Atlan in den Vordergrund spielt. Und dass so einiges in Sachen FENERIK in Bewegung gerät.

Dirk, was hat es mit dem Titelbild von PERRY RHODAN-Band 3134 auf sich?

Dirk Schulz: Die Illustration zu Band 3134 ist genau das Heft, welches 60 Jahre zuvor den Siegeszug der Serie begründete. Es ist also eine Hommage an die Serie, aber auch eine Hommage an Johnny Bruck, der PERRY RHODAN den unverwechselbaren Look gegeben hat.

20210907<em>Header-Perry-Rhodan</em>Cover.jpg

Zeichnest Du lieber Figuren oder Raumschiffe?

Dirk Schulz: Ich zeichne auf jeden Fall lieber Figuren. Am allerliebsten neue Charaktere. Da habe ich als Illustrator alle Freiheiten und kann meiner Fantasie freien Lauf lassen. Raumschiffe entwerfe ich, wenn sie nicht ohnehin bekannt sind, zunächst grob als Skizze, um sie dann von meinem Freund, Kollegen und besten Freund Horst Gotta als 3-D-Illustration konstruieren und rendern zu lassen.

Hast Du eine Lieblingsfigur, die Du besonders gerne zeichnest?

Dirk Schulz: Ich mag den Gucky und Icho Tolot. Aber auch Sichu Dorksteiger finde ich super und zeichne sie gerne. Genau wie Mondra.

Wie lange brauchst Du im Schnitt für ein PERRY RHODAN-Titelbild?

Dirk Schulz: Das ist völlig unterschiedlich. In der Regel dauern Figuren länger. Natürlich auch weil sich bei Raumschiffsmotiven die Arbeit auf zwei Leute aufteilt. Als Faustregel würde ich ein bis zwei Tage veranschlagen.

20210907<em>Header-Perry-Rhodan</em>Dirk-Schulz.jpg

Welche:r Zeichner:in ist Dein Vorbild?

Dirk Schulz: Ich bewundere sehr die Arbeiten von Craig Mullins, der im Digital-Painting-Bereich ein echtes Vorbild ist. Aber natürlich mag ich auch die klassischen Maler. Spitzweg ganz besonders. Er malte unglaublich schöne Lichtstimmungen und die Figuren haben so eine leicht überzeichnete Note. Das gefällt mir sehr. Da ich aus dem Bereich Comic komme, gibt es dort natürlich viele Vorbilder. Allen voran Regis Loisel und Milo Manara.

20210907<em>Banner-Perry-Rhodan</em>Gruppenbild.jpg

Und Du Christian, was liest Du privat? Hast Du eine:n Lieblingsautor:in?

Christian Montillon: Ich lese recht viel ... und recht bunt gemischt. Deshalb kann ich hier nicht kurz antworten. Man möge mir verzeihen. Seit einiger Zeit entdecke ich meine alte Liebe zur Literaturwissenschaft wieder und lese ein paar Literatur-Sachbücher, zuletzt ein paar Biographien. Etwa von Simone Frieling über Sophie Scholl oder von Dieter Lamping über Rahel Varnhagen. Beides sind kleine Bücher, gut lesbar, sehr kenntnisreich, die einem die Augen öffnen für andere Menschen, andere Umstände, andere Blickwinkel. Auch sehr empfehlenswert ist von Hermann Kurzke „Literatur lesen wie ein Kenner“ – das kann ja nie etwas schaden! Sehr schätze ich Johannes Hartl, dessen neues Buch „Eden Culture“ erst in ein paar Wochen erscheint, das ich aber bereits in der Manuskriptfassung gelesen habe; ein kenntnisreicher, philosophischer Blick auf den aktuellen Zustand unserer Gesellschaft und unsere Lebensweise und auf die Frage, ob man nicht etwas anders und vielleicht sogar besser machen könnte. Was Romane angeht, habe ich – und das spricht ja für sich selbst – am Ersterscheinungstag den neuen Stephen King gekauft und zu lesen begonnen, „Billy Summers“. Und wer gerne eine wirklich schöne und bewegende Coming-of-Age-Geschichte lesen will, dem sei „Hard Land“ von Benedict Wells empfohlen. Der erste Satz dieses Romans verrät eigentlich die ganze Geschichte, aber danach ist alles so perfekt zu lesen, dass es auf Handlung ohnehin nicht ankommt: „In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb.“

Vielen Dank, dass ihr euch für uns Zeit genommen habt!

Perry Rhodan bei Skoobe lesen

Du kennst die Perry-Rhodan-Heftromanserie noch gar nicht? Bei Skoobe kannst Du knapp 5000 Bände lesen. Perry Rhodan hat sogar seine eigenen Unterkategorien. Unter „Perry Rhodan (Heftromane)“ findest Du alle bisher erschienenen Folgen der klassischen Perry-Rhodan-Abenteuer. Daneben gibt es noch die Sonderausgaben „Perry Rhodan (Silberbände)“, „Perry Rhodan Neo“ und „Perry Rhodan (Weiteres)“.

Gefällt Dir unsere Liste? Hast Du einige der Titel oder vielleicht sogar alle schon gelesen? Haben wir Deiner Ansicht nach einige Bücher vergessen? Gib uns gerne Feedback unter feedback@skoobe.de, Facebook oder Instagram.

Diese Artikel könnten Dich auch interessieren