Quantifizierung macht Unterschiede zum Zweck des Messens zĂ€hlbar, Digitalisierung macht Differenzen fĂŒr Musterkennungen berechenbar. Da beide Methoden so erfolgreich sind, gerĂ€t zunehmend in den Hinte
Quantifizierung macht Unterschiede zum Zweck des Messens zĂ€hlbar, Digitalisierung macht Differenzen fĂŒr Musterkennungen berechenbar. Da beide Methoden so erfolgreich sind, gerĂ€t zunehmend in den Hintergrund, was sich der Messung und Berechnung widersetzt: qualitative Unterschiede. Um diese geht es aber in der Philosophie. Ralf Becker stellt genau solche QualitĂ€tsunterschiede in den Mittelpunkt seiner Untersuchungen: Farbe und WellenlĂ€nge, Leben und unbelebte Materie, Teil und Ganzes, natĂŒrliche und kulturelle Tatsachen, MaĂnehmen und MaĂhalten. Die in seiner Analyse zur Anwendung kommende KulturphĂ€nomenologie geht von der Wissenschaft als einer kulturellen Praxis aus, die in eine lebensweltliche Praxis des Unterscheidens eingebettet ist. Von diesem auĂerwissenschaftlichen praktischen Unterscheidungswissen bleibt auch die Naturwissenschaft methodisch abhĂ€ngig. Zugleich bestimmt jedoch das Bild, das Menschen insbesondere von den Naturwissenschaften haben, das Bild, das sie sich von sich selbst und ihrer Stellung in der Welt machen. Die Rekonstruktion des methodischen AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnisses zwischen Wissenschaft und Lebenswelt, die Beckers Buch leistet, hat daher auch die kritische Funktion, das positivistische und szientistische SelbstmissverstĂ€ndnis ĂŒber sich selbst aufzuklĂ€ren.