Das Schreiben über das eigene Leben ist eine Tendenz in der Gegenwartsliteratur. Die besten Schriftsteller finden ihre Wahrheitsmomente dabei aber nicht in dem, was gewöhnlich als „authentisch“ bezeic
Das Schreiben über das eigene Leben ist eine Tendenz in der Gegenwartsliteratur. Die besten Schriftsteller finden ihre Wahrheitsmomente dabei aber nicht in dem, was gewöhnlich als „authentisch“ bezeichnet wird, sondern im poetischen Spiel, in der Ambiguität, in absichtsvollen Unschärfen. Im Übrigen haben auch Künstler in der modernen Gesellschaft Anspruch auf Geheimnis und soziale Distanz; sie tragen wie jeder Mensch „Masken“. Im Unterschied zu anderen machen sie diese allerdings kreativ sichtbar. Ihre Masken sind Teil einer kontrollierten ästhetischen Selbstinszenierung. Der Drachentöter, der Lilienzähler, der Wiedergänger, der Schatzsucher, die Puppenspielerin und der Wandermönch sind Beispiele für solche Masken aus den letzten Jahren. Lesern bietet diese Literatur eine Möglichkeit, ihre Beziehung zur Wirklichkeit zu vertiefen. Außerdem kann sie dazu beitragen, ein Bewusstsein für das eigene biografische Erzählen zu entwickeln.In diesen Essays geht es um das lebensgeschichtliche Schreiben u.a. von Judith Hermann, Ralf Rothmann, Uwe Timm, Frank Witzel, Friedrich Christian Delius, Lutz Seiler, Ulrich Peltzer, Emine Sevgi Özdamar, Peter Kurzeck, Dinçer Güçyeter, Jenny Erpenbeck, Arno Geiger, Bodo Kirchhoff, Albrecht Selge und Thomas Hürlimann.