Manche Menschen betreten dein Leben wie ein Lied, das du nie vergisst. Sie klingen nach Wärme und Versprechen, nach allem, wonach du dich heimlich sehnst. Und erst viel später, wenn die Melodie verstu
Manche Menschen betreten dein Leben wie ein Lied, das du nie vergisst. Sie klingen nach Wärme und Versprechen, nach allem, wonach du dich heimlich sehnst. Und erst viel später, wenn die Melodie verstummt ist und nur noch das Echo in deinen Knochen wohnt, begreifst du: Es war nie ein Lied. Es war ein Käfig aus Tönen, so kunstvoll gebaut, dass du selbst hineingegangen bist und die Tür hinter dir geschlossen hast.Das ist die Geschichte, die ich mir selbst erzählen muss. Nicht, weil ich sie vergessen will, sondern weil ich sie endlich verstehen muss. Es ist die Geschichte eines Risses – so fein, dass ich ihn anfangs nicht sah, so tief, dass er mich beinahe zerbrach.Es begann an einem Abend, der nichts Besonderes versprach. Ein Jazzclub, halb voll. Musik, die unter die Haut ging. Und ein Mann, der mich ansah, als hätte er mein ganzes Leben auf mich gewartet. Julian. Ein Name, der sich heute anfühlt wie eine Narbe, die bei Regen schmerzt.Er sagte Dinge, die niemand je zu mir gesagt hatte. Er sah Dinge in mir, die ich selbst vergessen hatte. Und während ich mich zum ersten Mal wirklich gesehen fühlte, bemerkte ich nicht, wie seine Aufmerksamkeit langsam zu einer Schlinge wurde. Wie seine Worte – so sanft, so treffend – sich um mich legten. Nicht wie ein Netz, das fängt. Wie Efeu, der wächst. Unmerklich. Unaufhaltsam. Bis du eines Tages aufwachst und feststellst, dass deine Mauern nicht mehr dir gehören.