Amr Zeins vierteiliges Drama „Ursprungsgeschichte“, gespielt von zwei Figuren, die in wechselnden Rollen die Menschheitsmythen von Kain und Abel, Adam und dem Widersacher durchleben, ist weit mehr al
Amr Zeins vierteiliges Drama „Ursprungsgeschichte“, gespielt von zwei Figuren, die in wechselnden Rollen die Menschheitsmythen von Kain und Abel, Adam und dem Widersacher durchleben, ist weit mehr als eine bloße Nacherzählung biblischer oder koranischer Motive. Es ist eine Parabel von bestechender intellektueller Dichte und formaler Reduktion, die das Theater zur Bühne eines existentiellen Grundkonflikts erklärt: der Last der Wahl. Zeins „Ursprungsgeschichte“ ist ein intellektuelles Kammerspiel von großer poetischer Dichte. Durch die Reduktion auf zwei Darsteller und die ständige Neubesetzung der Ur-Rollen gelingt es ihm, die menschliche Geschichte als einen unentrinnbaren Kreislauf zu entlarven, der am selben metaphorischen Weichenhäuschen beginnt und endet. Das Drama verzichtet auf die tröstliche Auflösung und stellt stattdessen die unbequeme Wahrheit ins Licht: Die freie Wahl des Menschen ist stets auch die Wahl zur Schuld, und der Weg aus dem Paradies führt unweigerlich wieder zum Anfang der Tragödie zurück. Ein gewichtiges, nachdenkliches Stück, das im zeitgenössischen Drama einen markanten Akzent setzt. ** „Die Obrigkeit“ als Parabel auf Macht und Mythos Das Theaterstück „Die Obrigkeit“ von Amr Zein, dessen Dramaturgie sich über drei akribisch komponierte Akte entfaltet, ist weit mehr als eine anekdotische Komödie über ein verschlafenes Dorf in Ägypten. Es ist eine scharfsinnige Dorf-Parabel, die mittels des surrealen Ereignisses eines Flugzeugabsturzes die universalen Mechanismen von Korruption, Mythosbildung und sozialer Unterdrückung seziert. Zeins Werk entpuppt sich als brillante Sozialsatire, die im Verlauf der Handlung von einer burlesken Farce zu einem aufrüttelnden politischen Drama transformiert. „Die Obrigkeit“ ist ein herausragendes Beispiel für politisch engagiertes Theater. Es zeigt, wie die Wahrheit in einer korrupten Gesellschaft zur gefährlichsten Waffe wird und wie der Akt der Entmythologisierung der notwendige erste Schritt zur Befreiung ist. Das Stück endet mit der aufgehenden Morgendämmerung, die nicht nur das Bühnenbild erhellt, sondern auch die klare, herausfordernde moralische Entscheidung beleuchtet, die dem Zuschauer – und jedem unterdrückten Volk – überlassen wird. Ein Meisterwerk der arabischen Gegenwartsdramatik